GesundheitsmarktWas druckst du? Organe aus dem 3D-Drucker

Die Tinte für 3D-Drucker stellt das Start-Up Cellink her
Den Laborbereich betreten die Cellink-Mitarbeiter in Kitteln und Hygieneschuhen. Nora Lorek

Fester Blick, fester Händedruck, die Mundwinkel zucken nach oben. Jetzt könnte die Miene sich lösen, ein Lächeln vielleicht, doch da dreht sich Erik Gatenholm schon um und rennt los und bleibt nicht mehr stehen.

Gatenholm, groß, breit, glatt rasiert, läuft von einem verglasten Büro ins nächste, Sales-Team, Finance-Team, Schulterklopfen, Händeschütteln. Rennt die Treppe hinauf, in den Produktionsbereich, Menschen mit Schraubenziehern, Tische voller Platinen, Schulterklop- fen, Händeschütteln. Läuft die Treppe wieder hinunter, in sein Büro, das kleinste der Firma, ein enger Raum, offene Kartons und lose Zettel, der Schreibtisch brusthoch, davor ein Laufband und kein Stuhl.

Endlich bremst er, fällt in einen schwarzen Ledersessel, schiebt die Ellenbogen auf die Lehnen und sagt anschließend Sätze wie diesen: „Wenn du Erfolg als monetäre Kompensation begreifst, dann ist er leicht zu erreichen: Wenn du dir den Arsch abarbeitest, wirst du erfolgreich sein.“ Er arbeitet sich den Arsch ab, und er verdient Geld. Aber Erfolg, sagt er, sei für ihn etwas anderes.

Erfolg am Streckenrand

Gatenholm und sein Göteborger Start-up Cellink machen Geschäfte in einem Feld, das die Medizin revolutionieren könnte: Bioprinting, der 3D-Druck von menschlichem Gewebe – und eines Tages womöglich von menschlichen Organen. Es ist ein kompliziertes Feld. Ob die erste transplantierbare Leber in zehn oder 50 Jahren gedruckt wird, lässt sich nicht glaubwürdig vorhersagen. Sicher ist nur: Vor dem Profit stehen lange Jahre der Forschung. Das gilt für fast alle, die um die Wette laufen in diesem Rennen in die Zukunft.

Nur für den 28-jährigen Gatenholm gilt es nicht. Gatenholm rennt mit, aber er hat es nicht auf die Siegprämie abgesehen. Er macht sein Geld am Streckenrand. Gatenholm verkauft vergleichsweise günstige 3D-Bioprinter, mit denen immer mehr Labore arbeiten. Vor allem aber verkauft er: die Tinte.

Es sind große Hoffnungen, die sich mit Bioprinting verknüpfen. Erfüllt die Technologie diese Hoffnungen, wird sich vieles ändern. In den Krankenhäusern und Pharmalaboren dieser Welt ebenso wie im Leben zahlloser Patienten.

Tests an gedrucktem Gewebe könnten viele Tierversuche ersetzen. Mithilfe von nachgedruckten Tumoren ließe sich für jeden Krebspatienten das passende Medikament finden. Und sobald Niere, Leber oder Herz aus dem 3D-Drucker kommen, werden sie Leben retten. Denn statistisch gesehen sterben in Deutschland jeden Tag drei Menschen, weil sie kein passendes Spenderorgan erhalten.