FinanzevolutionWarum Robo-Adivsors Asset‑Mixer sind

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Mischung aus risikofreier Anlage und „Marktportfolio“

Eine weitere wichtige These der modernen Finanzmarkttheorie ist übrigens, dass sich Analysen und Vorhersagen nicht lohnen sollen. Wer in das „Marktportfolio“ investiert und seine Risikoneigung durch den Anteil der „risikofreien“ Anlage steuert, liegt unter Effizienzgesichtspunkten stets besser als Anleger, die sich nach aufwendiger Analyse Einzelanlagen herauspicken. Die Debatte, ob das so stimmt, tobt seit Jahrzehnten und wird wohl nie abgeschlossen sein.

Nun werden aber mit diesen Erläuterungen die Zutaten der „Robo-Advisors“ klar. Man benötigt keine Einzelanalyse von Aktien, sondern man muss nur Instrumente zur Verfügung haben, die möglichst das Marktportfolio repräsentieren. Kennt man dann die Risikoneigung des Anlegers, kann man „einfach“ eine Mischung aus risikofreier Anlage und „Marktportfolio“ wählen.

Wer soweit gefolgt ist und den Modellannahmen der Portfoliotheorie traut, der wird zustimmen, dass man somit den Anlageprozess komplett automatisieren kann. Eine persönliche Beratung oder gar eigene Analyseleistungen eines Beraters sind nach diesen Überlegungen nicht nur teuer und unnötig, sie sind der automatischen Strategie sogar unterlegen. Damit ist aber die Bezeichnung „Robo-Advisor“ falsch. Der Begriff Advisor steht für Berater oder Ratgeber. Hier wird aber nicht mehr beraten, sondern lediglich gemischt aus „risikoarmen Anlagen“ (Termingeld) und risikobehafteten Anlagen, in der Regel durch Exchange Traded Funds (ETF). Damit erübrigt sich auch der Streit, ob Roboter bessere Berater sind. Roboter beraten nicht, sondern stellen nur zusammen. Eigentlich wäre damit die richtige Bezeichnung „Asset-Mixer“.

keine Raketenwissenschaft

Die „Asset-Mixer“ formalisieren und standardisieren den Anlageprozess auf Basis eines Algorithmus, der den oben beschriebenen Prozess abbildet. Individuelle Wünsche werden hier über die Risikoneigung abgebildet und können über den Anlagehorizont variiert werden, wie etwa bei Vaamo oder Easyfolio (siehe dazu auch Finanzwesir „Excel statt Schamanismus – was taugen Vaamo und Easyfolio?“).

Der Kern des Robo-Advisory ist also keine Raketenwissenschaft, sondern im Grunde ziemlich simpel. Wer an die Kernaussagen der Portfoliotheorie glaubt, kann in fünf Minuten einen entsprechenden Algorithmus skizzieren. Deutlich länger dauert es dann freilich, diesen Algorithmus nutzerfreundlich zu gestalten und technisch so umzusetzen, dass die richtigen Transaktionen automatisch generiert und das Portfolio in bestimmten Zeitabständen angepasst wird (Rebalancing).

Es gäbe für Kapitalmarktpuristen jetzt jede Menge zu diskutieren. Die Kernfrage, ob sich Anlageberatung lohnt oder nicht füllt ganze Bibliotheken. Die Kernannahmen hinter der Kapitalmarktheorie, wie rationale Anleger, unbegrenzte Liquidität oder die Existenz einer risikofreien Kapitalanlage, wurden in den vergangenen Jahren mehrfach auf die Probe gestellt. Insoweit besteht dann doch wieder Bedarf nach Beratung, nämlich ob man den Modellen der Robo-Advisor wirklich trauen kann.