AnalyseWarum Promi-Start-ups nur mäßig erfolgreich sind

Marcell Jansen + Isabella: Der ehemalige Profifußballer hat sein Geld unter anderem in die glutenfreie Patisserie Isabella gesteckt. Ein Investment in das soziale Netzwerk Picue dagegen ging schief, Jansen verlor einen Millionenbetrag. imago images / Oliver Hardt

Der eine Satz verfolgt Marcell Jansen seit Jahren. „Wer so was macht, hat den Fußball nie geliebt.“ Kurz nach Jansens Abschied aus dem Profifußball hatte ihm der ehemalige Bundestrainer Rudi Völler diese verbale Schelle gegeben, weil er nicht verstehen konnte, dass Jansen den Profi­fußball an den Nagel hängte – einfach so, mit gerade einmal 29 Jahren.

Die Kritik versteht Jansen bis heute nicht. Er hatte damals alles erreicht, was sich viele Fußballer erträumen; hatte einige Zeit bei den Bayern gespielt und in der Nationalmannschaft. Nur, um noch mal „die Kohle mitzunehmen“, wollte er nicht den nächsten Vertrag unterschreiben. Auch der Karriereweg von Völler – Trainer, Nationaltrainer, Sportfunktionär – reizte Jansen wenig.

Stattdessen werkelte der Fußballer an seinem nächsten Vorhaben. Wieder sollte der große Erfolg her. Mit Picue hatte Jansen ein eigenes Start-up gegründet, das er selbst das „Instagram für Gruppen“ nannte. Sein Traum: Die Fußballstars würden künftig in seinem Netzwerk ihre Fotos aus dem Training oder vom Essen posten – und nicht auf Instagram. „Ein Fan braucht dann nicht mehr 17 Spielern zu folgen, sondern nur noch seinem Club“, sagt Jansen. Vor allem müsse die App für die Fußballprofis ganz einfach sein, damit sie „geilen Content produzieren“. Ein Verantwortlicher aus dem Verein sollte als Admin „den ein oder anderen Skandal“ verhindern – an alles hatte Jansen gedacht.

Was der junge Ex-Profi damals noch nicht wissen konnte: Er war die Vorhut eines Trends. Andere Sportler, Schauspieler und Prominente aus Deutschland sind seinem Beispiel gefolgt und stecken teils Millionen in junge Firmen oder gründen gleich selbst. Zu den bekanntesten Promi-Geldgebern bei Start-ups gehören neben Jansen die ehemaligen Fußballer Philipp Lahm und Fredi Bobic oder TV-Moderator Joko Winterscheidt. Es zeigt sich allerdings: Die Bilanz der meisten ist schlecht.

Erstmals hat Capital diese Investments erfasst und ausgewertet: 64 Promi-Beteiligungen an deutschen Start-ups sind öffentlich. Gerade einmal sechs vielversprechende Deals sind darunter. Mehr als ein Drittel stellte sich – trotz der bekannten Gesellschafter – bereits als Flop heraus, die Firmen stecken in der Krise, sind insolvent oder wurden für einen niedrigen Betrag verkauft. Ein weiteres Drittel fällt in die Kategorie „Kein großes Ding“. Die restlichen Investments sind noch zu jung für eine Bewertung.

Kaffee und Schuheinlagen

Die Suche nach dem deutschen Prominenten mit dem besten Riecher fürs Geschäft ist schwierig, aber Marcell Jansen hat durchaus etwas vorzuweisen. Seine Unternehmerwelt ist mittlerweile in der Hamburger Innenstadt zu finden. In einem kleinen Kaufhaus betreibt er eine Patisserie, die glutenfreie Croissants und Kuchen verkauft, daneben ist sein Lifestyle-Sanitätshaus. Die Tische vom Café stehen in einer Einkaufspassage, ein Pärchen sitzt gelangweilt an einem Tisch. Als der Besitzer und Geldgeber kommt, schauen sie neugierig auf. „Der Marcell“, begrüßt die Kellnerin ihn; er selbst kennt fast alle Mitarbeiter mit Namen. Vor dem Café ist ein Schild angebracht, das Jansen auf einem Foto zeigt, er ist wortwörtlich das Aushängeschild. Er schaut regelmäßig vorbei.

Jansen will heute über seine Mission sprechen, den Grund, wa­rum er morgens aufsteht. „Ich bin niemand, der 17 Tage hintereinander am Strand liegen kann“, sagt er. Bei den Unternehmen, die er maßgeblich mit aufgebaut und finanziert hat, gibt es eine Klammer: vom glutenfreien Café Isabella über das Sanitätshaus S’tatics und die Fitnessmarke Gymjunky bis zum Fast-Food-Restaurant Kinneloa („geile, gesunde Gerichte wie in L.A. oder Kopenhagen“) und den Sportplatz Hansebeach. „Als ­Nationalspieler habe ich gesundes Essen bekommen und die richtigen Einlagen für meine Schuhe“, sagt Jansen, „so hatte ich keine Schmerzen mehr – diese Privilegien will ich für die Massen zugänglich machen.“