KolumneWarum noch keine Wirtschaftskrise droht

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Kurzfristige Dämpfer

Da die Aufträge in den vergangenen Monaten aber stark zugenommen haben und diese noch nicht alle abgearbeitet sind (dies zeigt sich am sogenannten Book-to-Bill-Verhältnis, also der Relation von Aufträgen und Produktion), dürfte die Industrieproduktion schon bald wieder anziehen. In diesem Fall ist auch eine Erholung der Exporte wahrscheinlich. So gibt es einen sehr engen Gleichlauf zwischen den Aufträgen aus dem Ausland und den Ausfuhren. Während die Aufträge im Februar um mehr als zehn Prozent über dem Vorjahreswert lagen, stiegen die Ausfuhren nur um gut zwei Prozent. In der Vergangenheit wurde eine derart große Lücke schnell wieder geschlossen, sodass im März oder spätestens im April mit einer positiven Gegenbewegung bei den deutschen Exporten zu rechnen ist.

Zwar ist es für einen Ökonomen unbefriedigend, wenn er sich als Meteorologe betätigen muss, doch wird sich das Winterwetter tatsächlich auf viele Wirtschaftsbereiche negativ ausgewirkt haben. Baumärkte und Modegeschäfte dürften in den vergangenen Monaten weniger Umsatz gemacht haben als sonst zu dieser Jahreszeit üblich. Zudem infizierten sich in Deutschland in diesem Winter deutlich mehr Menschen mit einem Grippevirus als in den Vorjahren, wodurch der Krankenstand zeitweise ungewöhnlich hoch war. Und nicht zuletzt behinderten eine Reihe von Streiks die wirtschaftliche Aktivität in einzelnen Branchen und das öffentliche Leben stark. Kurzfristig können volkswirtschaftliche Daten durch solche Sondereffekte stark beeinflusst werden (insbesondere dann, wenn sie zeitlich parallel auftreten), von Dauer ist ihr Einfluss aber nicht.

Größere Sorgen um die wirtschaftliche Lage Deutschlands und der Eurozone müsste man sich dann machen, wenn es in den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, in den USA und China, zu einer größeren konjunkturelle Schwächephase käme. Zwar haben sich auch in diesen beiden Ländern einige Frühindikatoren in der letzten Zeit abgeschwächt, im Vergleich zur Eurozone fiel dieser Rückgang aber wesentlich moderater aus. Zudem kann wohl auch diese Entwicklung vornehmlich auf die mögliche Gefahr eines Handelskrieges zurückgeführt werden.

Eine Krise ist noch nicht in Sicht

China hat in dieser Woche bereits die Zahlen zum Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2018 veröffentlicht. Mit einem Wachstum von 6,8 Prozent blieb die konjunkturelle Dynamik unverändert hoch. Da das Abbremsen des Immobilienmarktes weit gediehen ist und es schon erste Anzeichen für eine erneute Beschleunigung gibt, dürfte die konjunkturelle Dynamik in China auch in den kommenden Quartalen hoch bleiben.

Und auch in den USA spricht fast alles für eine Beschleunigung und gegen eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums. Angesichts der Steuerreform sowie einer noch expansiveren Fiskalpolitik wäre alles andere überraschend. Insofern bleibt festzuhalten, dass ungeachtet der gegenwärtigen Schwächetendenzen auch in der Eurozone in der nächsten Zeit wieder mit besseren Wirtschaftsdaten zu rechnen ist. Eine neue Wirtschaftskrise zeichnet sich noch nicht ab.

Und was ist mit dem schwachen Economic Surprise Index für die Eurozone? Zum einen weist der Index eine Tendenz zur Rückkehr zum Mittelwert auf, sodass der Tiefpunkt so gut wie erreicht sein dürfte. Zum anderen hat dieser kaum Relevanz für das Wirtschaftswachstum. In den USA tauchte der Index beispielsweise im Laufe des zweiten Quartals 2017 kräftig ab, das BIP-Wachstum nahm hingegen kräftig zu.