Start-upsWarum Seriengründer Jan Beckers sich ins Fondsgeschäft wagt

Jan Becker, 36, wuchs in Münster auf und studierte in Bremen.
Jan Becker, 36, wuchs in Münster auf und studierte in Bremen. Patrick Desbrosses

Der Mann, dessen Markenzeichen jahrelang orange Rollkragenpullis waren, trägt jetzt Anzug, dunkelblau. Es ist ein Freitag im April, Jan Beckers nimmt in seinem Stammlokal in Berlin-Mitte Platz. Das Outfit trägt er jetzt öfter, gerade war er in San Francisco bei einer Investorenkonferenz von Morgan Stanley, da kann man nicht in Jeans auflaufen.

Er, der seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich Internetfirmen gründet, hat die Branche gewechselt. Mehr als 25 Unternehmen gehen auf das Konto seiner Start-up-Fabrik Hitfox, zusammen sind sie knapp 1 Mrd. Euro wert. Doch vor einigen Monaten hat sich Beckers vom CEO-Posten zurückgezogen, um sich mehr Freiheit für ein neues Projekt zu geben. Es geht dabei nicht einfach um das nächste Hitfox-Unternehmen, sondern um mehr, um die Verwirklichung eines Lebenstraums. „Wir haben“, verkündet Beckers an jenem Tag in Berlin-Mitte, „einen Fonds aufgelegt, der weltweit in die besten börsennotierten Internet- unternehmen investiert.“

Schon als Schüler steckte er das Geld, das seine Eltern ihm für den Führerschein zur Seite gelegt hatten, in Aktien des Spieleherstellers Electronic Arts. Das Investieren blieb sein Hobby, Beckers bewies ein gutes Händchen, kaufte früh und günstig Google, Apple, Amazon. Schon lange hat er mit dem Gedanken gespielt, selbst als Asset-Manager aufzutreten. Jetzt setzt er den Plan in die Tat um – und spricht mit Capital erstmals darüber. Er hat einen Portfolioverwalter gegründet, ein kleines Team zusammengestellt und zunächst zwei Fonds aufgelegt: vor einem Jahr für vermögende Investoren, Anfang 2019 dann für Kleinanleger, beide unter dem Titel „Global Internet Leaders“.

Mit dem Projekt verfolgt Beckers eine Mission: „Ich habe mich schon immer geärgert, dass ein Großteil des Kapitals in Deutschland mit viel zu niedrigen Renditen angelegt wird. Das wollen wir ändern.“ Es ist eine mutige Ansage. Kann Beckers auch in diesem Markt etwas reißen? Der ist umkämpft. Branchenfremde Eindringlinge ohne etablierte Ver- triebsstrukturen haben nicht unbedingt die besten Karten.

Andererseits hat Beckers immer wieder gezeigt, dass er Dinge, die er anfasst, zu Erfolgen macht – selbst wenn die Voraussetzungen nicht einfach sind. Hitfox zum Beispiel, sein bisher wichtigstes Projekt, ist mit einem Modell erfolgreich, das eigentlich als längst überholt gilt. Inkubatoren waren Anfang der 2010er-Jahre schwer in Mode, als große Namen wie Team Europe, Project A oder Rocket Internet auf das serienmäige Gründen von Start-ups setzten. Keiner hielt lange durch. Team Europe gab ganz auf, Project A wech- selte ins Venture-Capital-Business. Selbst bei Rocket Internet, wo man ab 2007 das Firmenbauen am Fließband perfektionierte, wird seit etwa 2015 kaum noch selbst gegründet: CEO Oliver Samwer hat sich fast vollständig aufs Investieren verlegt.