KommentarWarum Huawei ein Sicherheitsrisiko ist

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China wird nicht ungleich behandelt

China will beides haben: Es blockiert zuhause US-Technologieunternehmen wie Facebook und Google (und kürzlich Microsofts Bing-Suchmaschine) aus Gründen der Sicherheit und des Protektionismus und verlangt gleichzeitig Open Access für seine IT-Unternehmen. Chinas EU-Botschafter Zhang Ming beschwert sich lebhaft über „Verleumdungen, Nötigung, Druck, Zwang und Spekulationen“ gegen Huawei.

Natürlich gibt es auf US-Seite ein gewisses Maß an Heuchelei. Whistleblower Edward Snowden hat öffentlich gemacht, wie der Geheimdienst NSA Telekommunikationsnetze nutzte, um Informationen über nationale Sicherheitsziele zu sammeln, und Hintertüren in Cisco-Ausrüstung einzubauen. Trotzdem erfährt China keine Ungleichbehandlung, wenn die USA Huawei von seinen digitalen Wasserleitungen ausschließen.

Die Frage ist, ob die US-Verbündeten dem amerikanischen Vorgehen folgen sollten. Australien und Neuseeland haben Huawei bereits als Ausrüster von den 5G-Netzen der nächsten Generation ausgeschlossen. Die USA drängen Großbritannien, Deutschland und andere, dasselbe zu tun. George W. Bush sagte den Verbündeten einst, dass sie „entweder mit uns oder gegen uns“ im Krieg gegen den Terror seien. Präsident Trump fährt im neuen Informationskrieg eine ähnliche Linie.

Das Vereinigte Königreich ließ Huawei in die Peripherie seiner 3G- und 4G-Netze – Masten, Antennen und andere Funkeinrichtungen zur Übertragung mobiler Daten. Zum Kernbereich, wo sich die Kundendaten und die sensible Technologie hauptsächlich befinden, hatten die Chinesen keinen Zutritt. Die britische Regierung verlangt von Huawei zudem, Hard- und Software von Spezialisten überprüfen zu lassen.

Huawei ist ein Produkt des Systems

Bei den neuen 5G-Netzen ist diese Grenze schwieriger zu ziehen, weil die Technologie in Fabrikanlagen und autonome Autos eingebettet werden kann. Diese Technologie, an deren Entwicklung Huawei beteiligt war, ist eher ein Netz, in dem die Daten weit verbreitet sind. „Man kann eine große Menge stören, indem man eine kleine Menge stört“, sagt Alan Woodward, Professor für Informatik an der University of Surrey.

Dies führt uns zurück zu Liaoyang und den ausgeklügelten Maschinen, die Ren nachahmen wollte. Wie andere chinesische Unternehmen hat Huawei wahrscheinlich einige Abkürzungen auf dem Weg zum Reverse-Engineering von Konkurrenzprodukten genommen, aber es ist in der Wertschöpfungskette bis an die Spitze geklettert. Wenn es aus einem anderen Land käme, würde ein Verfahren wegen staatlicher Spionage scheitern.

Die Beweise gegen die chinesische Regierung sind jedoch klar und eindeutig – die Partei, die Ren nach Liaoyang geschickt hat, stellt ihre politische Macht über alles andere und verlangt absolute Loyalität. Es erscheint nicht vernünftig, eine Wette auf die Sicherheit von Huaweis 5G-Netzen einzugehen – zumal die Hauptkonkurrenten Ericsson und Nokia aus der EU kommen. Es tut mir leid für Ren, aber er ist ein Produkt des Systems.

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