GastbeitragWarum es gerade jetzt auf den Mittelstand ankommt

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Tugenden des Erfolgs

„Tugenden“? Wie altmodisch ist das denn? Bestimmt haben Sie auch schon gehört: Was wir brauchen, sind Innovationen, also das Neue!

Ja und ja. Das Wort „Tugenden“ ist altmodisch – und ja – wir brauchen Innovationen. Aber was wäre, wenn aus „altmodisch und innovativ“ genau das Paar Schuhe entsteht, was unsere Wirtschaft ins Laufen bringt und auf denen wir als Gesellschaft gut stehen können?

Ein Beispiel: Altmodisch klingt heute auch der schöne Begriff der „Kaufmannsehre“. Aber ich finde die Haltung hinter dem Begriff sehr innovativ und modern. Ich stehe auf Zuverlässigkeit. Und wenn ein Handschlag reicht, um ein gegenseitiges Übereinkommen zu besiegeln, so kommen die beiden Parteien schneller ins Handeln, als wenn sich beide Seiten Wochen und Monate damit aufhalten, abzuwägen, zu taktieren, rechtlich einzuordnen und vertraglich abzusichern. Geschwindigkeit ist in der Wirtschaft immer mehr ein Thema.

Oder nehmen Sie das Beispiel „Redlichkeit“. Für mich bedeutet das: dem Kunden nicht einfach etwas andrehen zu wollen, um auf Teufel komm raus den Gewinn kurzfristig zu maximieren. Sondern den Kunden in seinen Bedürfnissen ernst nehmen. Ein wirkliches Interesse an dem zu haben, was ihm hilft. Der Mittelstand steht für ein Miteinander von Kunden und Unternehmen. Diese Redlichkeit führt zu echter Qualität und Nachhaltigkeit. Der Mittelstand agiert bedürfnisorientiert. Und wenn Sie guten Kundennutzen bieten, erfolgen daraus gute Umsätze – als angenehmer Nebeneffekt.

Zuverlässigkeit, langfristiges Denken, familiäres Miteinander sind Tugenden, die Menschen schätzen. Und die Zukunft, ob wirtschaftlich oder gesellschaftlich, braucht diese Wertschätzung des Miteinanders. Daraus erwächst übrigens noch ein echter Wettbewerbsvorteil.

Der Mittelstand kann das

Das Stichwort heißt: Kooperation. Es gibt nichts Moderneres als Unternehmen, die sich die Bedürfnisse der Menschen, die mit dem Unternehmen in Kontakt stehen, bewusst machen und überlegen, wie können sie gemeinsam mit guten Ideen, Geschäftsmodellen, Produkten und Dienstleistungen vorankommen. Und das kann der Mittelstand.

Es geht dabei nicht „nur“ um Kunden. Die Mitarbeitenden im Unternehmen werden als Menschen wahr- und ihre Bedürfnisse ernst genommen. Mittelständler fühlen sich für Menschen verantwortlich. Ohne Menschen kein Business. Das Miteinander von Unternehmern, Inhabern, Mitarbeitenden, Kunden bringt den Erfolg. Der Zweck eines jeden Unternehmens ist nicht die Gewinnmaximierung, es ist und bleibt die Nutzenmaximierung für die Kundschaft. Dazu gehört es, dafür zu sorgen, dass Menschen zusammen froh schaffen können: dass sie gemeinsam an einer Welt arbeiten, die lebenswert ist.

Und auch das kann der Mittelstand – mit Rückgrat, Herz, Kopf und Seele. Gemeinsam mit allen Beteiligten an einer lebenswerten Welt bauen. Vielleicht klingt das für manche altmodisch, aber für mich ist es das, was Deutschland von Gestern übers Jetzt ins Morgen führen kann. Qualität für Wirtschaft und Gesellschaft made in Germany. Und was denken Sie dazu?

 


Timo Kaapke ist Unternehmer, Taucher, Autor, Keynotespeaker und deutschlandweit gefragter Sparringspartner für Mittelständler. In seinem neuen Buch „Frohes schaffen: Wie ich herausfand, was ein Unternehmer wirklich ist“ nimmt er Unternehmer mit auf einen Deep Dive in eine Arbeitswelt, in der „Frohes schaffen“ kein Widerspruch in sich ist. Mehr Informationen unter timokaapke.de