KommentarWarum die Rezessionsangst steigt und Schulden plötzlich sexy sind

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Auf dem Weg zur Klimaabgabe und dem Ökosoli

Wenn sich Deutschland als „sicherer Hafen“ über Jahrzehnte zinslos verschulden kann, lässt sich das als weiteres Symptom für eine Krise deuten. Als Verzerrung in einem Finanzsystem, dass nach vielen Jahren des billigen Geldes aus den Fugen ist. Aber auch hier sollten wir nüchtern sein: Es ist unwahrscheinlich, dass die Zinsen so schnell steigen werden. Das Geld wird über Jahre hinaus eher billig bleiben, und Deutschland sollte diesen Spielraum nutzen – nicht aber, weil man es kann, sondern weil man es muss: Die Gefahr weiterer Schocks ist einfach zu groß.

Natürlich steht zu befürchten, dass man mit frischen Milliarden irgendwelche Luftschlösser baut oder Geschenke verteilt. Das wird die größte Herausforderung sein: Viel Geld sinnvoll zu investieren – und nicht stumpf zu verteilen. Denn auch wenn man keine Zinsen zahlen muss: Zurückzahlen muss der Staat die Schulden ja trotzdem. Versenktes Geld, sei es in Flughäfen, die nicht öffnen oder Straßen, die keiner braucht, bleibt genauso schädlich.

Ich habe den Eindruck, dass die Sache in Berlin längst ausgemacht ist. Während man bei der kurzfristigen Stützung der Konjunktur zu zögerlich ist, soll langfristig mehr Geld ausgegeben werden. Man braucht dafür noch nicht mal die Schuldenbremse auszuhebeln. So wie man früher Nebenhaushalte und Sondervermögen erfand, wird man das frische Geld in Sonderfonds packen. Und damit niemand dagegen ist, wird man diese Fonds grün anstreichen, und „Klimafonds“ nennen. Das gilt übrigens auch für Steuern, ich erwarte keine Reichensteuer oder Vermögensabgabe mehr. Man wird es „Klimaabgabe“ nennen. Oder „Ökosoli“. Wer kann da schon nein sagen?

Es gibt also Risiken in der Welt der leichten Schulden. Daher sollten wir auch bei mathematisch bestechenden Plänen nicht den Verstand verlieren.