HalbleiterWarum die Autoindustrie ein Chip-Problem hat

Der Vorstandsvorsitzende von Infineon, Reinhard Ploss, zeigt einen Halbleiter mit 30 Zentimeter Durchmesser vor einem VW id3 Elektroauto.
Der Vorstandsvorsitzende von Infineon, Reinhard Ploss, zeigt einen Halbleiter mit 30 Zentimeter Durchmesser vor einem VW id3 Elektroauto. IMAGO / Sven Simon

Sie stecken im Cockpit, im Fahrassistenzsystem und im Infotainment: Elektronische Bauteile sind aus Autos nicht mehr wegzudenken. Darum bekommt die Autoindustrie es gerade auch schmerzlich zu spüren, dass auf dem Weltmarkt Chip-Engpässe herrschen. Wegen der Knappheit an Mikrochips haben Hersteller wie Volkswagen, Ford, Nissan oder Honda in den vergangenen Wochen Bänder anhalten und Schichten streichen müssen.

Die Probleme haben ihre Ursache in China. Dort liefen im zweiten Halbjahr – während des Aufschwungs nach der ersten Corona-Welle – mehr Kraftfahrzeuge vom Band als erwartet, China kaufte auf, was an Halbleitern für Autos verfügbar war. Nachschub für den Rest der Welt ist jedoch so schnell nicht parat. Denn die großen Produzenten stellten ihre Fertigung zu großen Teilen auf Speicher für die Unterhaltungselektronik um, berichten Marktbeobachter. In der Corona-Krise wurden mehr Fernseher, Laptops und Spielekonsolen nachgefragt, der Automarkt lag dagegen brach.

Von der Verknappung bleibt auch die deutsche Autobranche nicht verschont. Volkswagen etwa befürchtet, im ersten Quartal 100.000 Fahrzeuge in Europa, Nordamerika und China weniger produzieren zu können. Im Namen der Hersteller appellierte der Branchenverband VDA an das Bundeswirtschaftsministerium, sich politisch für eine Auflösung der Versorgungsengpässe einzusetzen.

Verteilungswettbewerb

Minister Peter Altmaier wurde offenbar beim taiwanesischen Konzern TSMC vorstellig, dem drittgrößten Halbleiterhersteller der Welt. Medien zitierten aus einem Schreiben, in dem Altmaier die große Bedeutung zusätzlicher Kapazitäten an Elektronik-Chips und Sensoren für die hiesige Fahrzeugindustrie und deren wirtschaftliche Erholung betont. Zudem weist der CDU-Politiker auf die Relevanz der deutschen Autobranche „für die Revitalisierung der Weltwirtschaft“ hin.

Unabhängig von den derzeitigen Problemen muss sich die Autoindustrie auch künftig in einem Verteilungswettbewerb mit den Riesen der Unterhaltungselektronik bewähren. Bislang bedienen die großen Chip-Hersteller die Autoindustrie nur mit einem Bruchteil ihrer Kapazitäten. Deren Verhandlungsmacht fällt entsprechend schwächer aus.

Vor allem die wachsende Bedeutung von Elektroautos verlangt derweil nach mehr Halbleitern – aber nicht nur. Nach Berechnungen der Marktforscher von AutoForecast Solutions hängt wegen der Chip-Knappheit aktuell die Herstellung von 280.000 Fahrzeugen in der Schwebe. Die „Financial Times“ zitiert das Institut IHS Markit mit einer Prognose von bis zu einer halben Million Ausfällen. Der Engpass könne sechs Monate anhalten.

Schon gibt es wieder Stimmen, die Neuinvestitionen in die vernachlässigte aber doch strategische Halbleiterindustrie Europas fordern. Denn der Bedarf steigt. Die Organisation Worldwide Semiconductor Trade Statistics (WSTS) beziffert das Volumen des Halbleitermarktes im Jahr 2020 auf rund 433 Mrd. Dollar und erwartet 2021 ein Wachstum von acht Prozent.

Aber wie sind die Marktführer in der Welt verteilt? Ein Überblick nach Umsatz: