AnalyseWarum der Kohlemilliardär Křetínský Metro übernehmen wollte

Milliardär Daniel Křetínský könnte bald mit seinem Partner Patrik Tkáč größter Aktionär von Metro sein. Im Aufsichtsrat will er Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen Stanislav Krupar


Der Übernahmeversuch der Metro durch die beiden tschechischen Investoren Daniel Křetínský und Patrik Tkáč droht zu scheitern. 67,5 Prozent der Anteile an dem Handelskonzern wollten sie einsammeln. Kurz vor Ende der Annahmefrist ihres Übernahmeangebots waren ihnen aber nur 38 Prozent sicher. Křetínský bietet den Aktionären 16 Euro je Stammaktie und 13,80 Euro je Vorzugsaktie. Metro-Großaktionäre und auch der Vorstand des Unternehmens hatten das Angebot als zu gering zurückgewiesen.

Der folgende Beitrag ist in Capital 10/2018 erschienen. Er zeigt, was Křetínský mit  der Übernahme bezweckt und warum er Metro für „undermanaged“ hält.


Das Zentrum von Daniel Křetínskýs Milliardenreich liegt direkt unter der Dachschräge, in einem Raum, feudal wie eine Besenkammer, im sechsten Stock eines Prager Gründerzeitbaus. Eine Handvoll Sessel und ein Schreibtisch füllen das Zimmer fast komplett aus. Als Capital im November 2017 zu Besuch ist, ist die blitzblank polierte Tischplatte leer. Nur ein gerahmtes Foto seines Sohnes deutet darauf hin, dass hier Křetínský arbeitet – und ein echtes Gemälde des Expressionisten Oskar Kokoschka neben der Tür, das der Kunstsammler vor einiger Zeit erworben hat.

Der Raum ist für Besucher normalerweise tabu. Von hier dirigiert Milliardär Křetínský eines der größten und am aggressivsten wachsenden privaten Firmenimperien in Mittel- und Osteuropa. Mit seiner Gruppe kontrolliert der 43-jährige Unternehmer Gaspipelines und -speicher in der Slowakei, Kohle- und Gaskraftwerke in mehr als einem halben Dutzend Länder, ein Medienhaus um Tschechiens auflagenstärkste Boulevardzeitung und französische Magazine – sowie den Fußballclub Sparta Prag. Darüber hinaus kauft er sich gerade groß in die französische Presse ein: bei Magazinen wie „Elle“ und „Marianne“ sowie aktuell auch bei der Tageszeitung „Le Monde“.

Auch in Deutschland hat der verschwiegene Investor, der sich für ungestörte Urlaubsreisen einen Anteil an einer Malediveninsel zugelegt hat, bereits zugeschlagen – ohne dass sein Name bislang vielen ein Begriff war. Selbst als seine Energieholding EPH 2016 das ostdeutsche Braunkohlegeschäft des Versorgers Vattenfall schluckte und so auf einen Schlag zum drittgrößten Stromproduzenten in Deutschland aufstieg, blieb Křetínský unter dem Radar einer breiteren Öffentlichkeit.

Doch nun beginnt der Mann aus dem Prager Dachgeschossbüro, dessen Vermögen das US-Magazin „Forbes“ auf 2,6 Mrd. Dollar schätzt, den deutschen Handelsriesen Metro zu schlucken. Ende August haben Křetínský und sein langjähriger slowakischer Geschäftspartner Patrik Tkáč 7,3 Prozent der Metro-Stammaktien vom bisherigen Metro-Großaktionär Haniel gekauft, auf das restliche 15,2-Prozent-Anteilspaket des Familienunternehmens haben sie eine Kaufoption ausgehandelt. Buchwert des gesamten Haniel-Pakets: rund 970 Mio. Euro. Auch knapp neun Prozent der Metro-Anteile der Elektronikkette Ceconomy hat sich das Investorenduo gesichert, sodass es nun jederzeit auf mehr als 30 Prozent der Anteile zugreifen kann. Spekulationen über eine Komplettübernahme des im MDax notierten Konzerns ließen den Kurs der lange geprügelten Metro-Aktie im Sommer bereits steil nach oben schießen. Was also haben die beiden Selfmade-Milliardäre mit dem Großhändler vor?

Interesse aus heiterem Himmel

Es wäre eine der spektakulärsten Übernahmen der vergangenen Jahre: Auf der einen Seite zwei weitgehend unbekannte Unternehmer aus Osteuropa, deren Engagement im Handel sich bisher auf E-Commerce-Plattformen in Tschechien und einigen Nachbarländern beschränkte. Auf der anderen Seite ein traditionsreicher Handelsriese mit weltweit 760 Metro-Großmärkten sowie der Supermarkttochter Real, bei dem über Jahrzehnte legendäre deutsche Wirtschaftsdynastien wie die Haniels und die Beisheims das Sagen hatten – ein Konzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt immerhin noch 37 Mrd. Euro, etwa fünfmal so viel wie Křetínskýs Unternehmensgruppe.

Es ist Anfang Mai, als der Milliardär sein Metro-Abenteuer startet. Er lässt bei der für Übernahmen und Investments zuständigen Abteilung des Haniel-Konzerns anklopfen. Zusammen mit seinem Partner Tkáč ist Křetínský etwa auch am zweitgrößten tschechischen Onlinekaufhaus Mall.cz beteiligt. Er ist der Ansicht, dass der Metro-Konzern unter Vorstandschef Olaf Koch unter seinen Möglichkeiten geführt wird.

Metro sei eine „undermanaged company“, sagt der Investor in internen Gesprächen. Ende Oktober lässt er dann mitteilen, dass er als Großaktionär auf Mitsprache im Aufsichtsrat drängen wird – und sich darüber hinaus auch eine Einflussnahme auf die Besetzung des Vorstands vorbehält. Für Metro-Chef Koch, der erst vor Kurzem mit einem neuen Vertrag ausgestattet wurde, könnte es also eng werden. Sich selbst traut Křetínský dagegen zu, als Aktionär für eine Steigerung der Performance zu sorgen – wie bei vielen seiner anderen Beteiligungen, bei denen er im Stil eines Spekulanten eingestiegen war, während andere Investoren nur noch rauswollten.