GastbeitragWarum der Euro auf die Blockchain muss

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Aber was nun erforderlich ist, ist nicht übermäßig schwer auszudrücken: Budget. Große Organisationen aller Arten — zum Beispiel Staaten, Ministerien, Behörden, Industriekonzerne, Banken, Investoren, Universitäten — sollten nun investieren. Start-ups und Unternehmen haben die technologische Basis bereits geschaffen und die Sinnhaftigkeit der Blockchain-Technologie bewiesen. Gerade in Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein wird nun Stück für Stück die rechtliche Basis weiterentwickelt. Die Bundesregierung wird — so ihre Pläne — im September die Blockchain-Strategie für Deutschland verkünden. Dann wird Angela Merkel (oder ein Regierungssprecher) vermutlich das Wort „Blockchain“ in den Mund nehmen, vielleicht ja auch das Wort „Bitcoin“. Kurzum: die technologische und rechtliche Basis ist da und wird derzeit weiterentwickelt, die Bundesregierung erzeugt zudem Rückenwind.

Nun liegt es an den Organisationen, die über Budget verfügen, dieses in Richtung Blockchain zu lenken. Wichtig wären vor allem Investitionen in Start-ups, in IT-Entwicklung und in die Anbindung existierender Prozesse und Systeme. Nicht zwingend erforderlich sind weitere Studien und Analysen. Diese Investitionen werden erfolgreich sein, denn das Potenzial der Blockchain-Technologie ist zweifellos erkannt (siehe Libra, digitale chinesische Währung und Binance). Heute liegen für Unternehmen die Chancen auf dem Tisch. Wer sich nicht mit dem Thema beschäftigt, für den wird es übermorgen sehr ernst werden. Ein triviales „Risiko“ ist zudem, die Chancen zu ignorieren, die sich hier bieten. Dies gilt auch für Mitarbeiter: Wer sich dieser Tage, im Herbst 2019, entscheidet, sich ernsthaft mit dem Thema Blockchain zu beschäftigen, wird die kommenden zehn bis 20 Jahre sehr viel zu tun haben; er wird die digitale Transformation der Wirtschaft gestalten, anstatt passiv ansehen zu müssen, wie der eigene Arbeitsplatz transformiert wird oder gar entfällt.

Der Euro auf der Blockchain

Das zusätzlich geschaffene Budget sollte vor allem in folgende Vorhaben investiert werden: Der Euro muss auf die Blockchain und das Thema Identitäten auf Blockchain-Basis muss umfassend behandelt werden. Bei diesen beiden Aspekten handelt es sich um breite Anwendungsfelder, welche das Fundament für die digitale Wirtschaft der Zukunft darstellen werden. Eine Wirtschaft ohne Euro und Identität auf Blockchain-Basis können sich Kenner der Technologie nicht vorstellen.

Der Euro auf Blockchain-Basis wird gerade für die deutsche Industrie (z.B. Maschinenbau, Mobilität) besonders wichtig sein: Unternehmen schreiben ihre Rechnungen in Euro und nehmen Buchungen ebenfalls in dieser Währung vor. Eine Welt, in der etwa BMW eine Rechnung in Bitcoin notierend versendet, ist nicht vorstellbar. Zu gering ist die allgemeine Akzeptanz als Zahlungsmittel und zu groß sind regulatorische Hürden. Beim Thema „Euro auf Blockchain“ geht es darum, dass ein Blockchain-Netzwerk verwendet wird, um die Kontoführung technisch zu organisieren. Kritiker postulieren, dass für den digitalen Euro keine Blockchain-Technologie benötigt wird. Diese Leute haben die Technologie wohl nicht tief genug durchdrungen. Nachfolgend einige Gründe, warum die Blockchain-Technologie früher oder später die technologische Basis für den digitalen Euro sein wird. Klar ist, dass die zehn Jahre alte Variante der Bitcoin-Blockchain aus vielfältigen Gründen technologisch veraltet erscheint. Das Wort „Blockchain“ wird hier als „Blockchain im weiteren Sinne“ verwendet und meint genau genommen DLT-Systeme, die durch die Blockchain-Technologie inspiriert wurden und gemeinsame technische Merkmale mit der „Ur-Blockchain“ des Bitcoins aufweisen.

  1. Machine Economy. Schätzungen zufolge werden 2025 mehr als 20 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein. Das sind circa dreimal so viele Geräte wie Menschen aktuell auf der Erde leben. Ein Teil dieser Geräte wird früher oder später auch in den Zahlungsverkehr eingebunden werden. Die Blockchain-Technologie ist am besten dafür geeignet, Millionen von Geräten mit einem Computerchip und mithin mit einem Wallet auszustatten, so dass ein Gerät Zahlungen empfangen (Umsätze) und Geld transferieren kann (Kosten). Mehrheitlich muss und wird dies in Euro geschehen. Dann müsste keine Buchhaltung umgestellt werden und es gäbe keine Wechselkursrisiken.
    Die Blockchain-Technologie kann diese Millionen Geräte vergleichsweise unkompliziert mit der Möglichkeit ausstatten, an einem Zahlungsnetzwerk teilzunehmen und in automatisierte Geschäftsprozesse einzubinden (das heißt durch Smart Contracts). Dies setzt den Euro auf Blockchain-Basis voraus. Technologisch gesehen müssen Blockchain-Systeme natürlich noch weiterentwickelt werden, um den Transaktionsdurchsatz zu erhöhen. Schreibt man die technologische Entwicklung der letzten Jahre in die kurzfristige Zukunft fort, ist dies allerdings kein „Roadblocker“. Auch der Speicherbedarf durch redundante Datenspeicherung ist unkritisch, wenn man beachtet, dass autonome Autos demnächst hunderte Gigabyte an Daten erzeugen. Pro Tag. Pro Auto.
  2. Euro als Token. Der Euro repräsentiert Wert, ebenso wie Aktien, Immobilien und andere Gegenstände. In der heutigen Welt gibt es Plattformen für den Euro-Zahlungsverkehr und andere Systeme — wie silo-artige IT-Systeme — für den Wertpapierhandel. In der Finanzwelt der Zukunft werden beide silo-artige Systeme verschmolzen. Diese basieren auf einer Blockchain-Plattform, auf der der Euro ebenso notiert ist wie diverse Aktien, Wertpapiere und zahlreiche weitere Wertgegenstände. All diese Wertgegenstände sind letztlich durch Tokens auf einem „integrierten“ Blockchain-System repräsentiert. Hierauf findet der Handel statt; etwa wenn eine Daimler-Aktie für einen bestimmten Euro-Betrag erworben wird. Zahlung gegen Lieferung — in der Finanzwelt unter „payment versus delivery“ bekannt — passieren zum selben Zeitpunkt. Wertgegenstände müssen nicht mehr zwischen silo-artigen Systemen transferiert oder abgeglichen werden. Nur ein Blockchain-System ist in der Lage verschiedene Arten von Wertgegenständen (d.h. Tokens) integriert abzubilden, ohne dass neue silo-artige Strukturen entstehen.
  3. Smart Contracts. Eigentlich geht es bei der ganzen Diskussion gar nicht alleine um den reinen Zahlungsverkehr, sondern auch darum, eine Zahlung in eine Geschäftslogik oder einen Geschäftsprozess einzubinden. Beispiele sind etwa Treuhandprozesse, Daueraufträge, Zinszahlungen, Factoring, Leasing, Mietkautionskonto, Kredite et cetera — derartige Prozesse können ideal mit Smart Contracts „programmiert“ werden. Was heute durch Prozessbrüche und uneinheitliche Schnittstellen nur mit viele Aufwand funktioniert, klappt durch Einsatz von Euro-notierten Smart Contracts viel besser, schneller und effizienter. Diese Smart Contracts sind am besten per Blockchain-System integrierbar.