FahrverboteDer Dieselmotor - eine Ehrenrettung

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Noch mal auf Anfang

Wahrscheinlich wäre es besser, wir verständigten uns zunächst darauf, was wir wollen: eine Welt ohne Atom, ohne Treibhaus oder ohne Stickoxid. Alles auf einmal wird schwierig.

Eine Familienkutsche wie die E-Klasse, in der fünf Personen bequem Platz finden, die auf 100 Kilometern realistisch sieben bis acht Liter Diesel verbraucht und dabei um die 120 Gramm CO₂ und 50 Mikrogramm Stickoxid in die Luft bläst, wäre einst der Stolz deutscher Ingenieurskunst gewesen. Und heute sollen wir, wie die Werbung vorschlägt, schnell auf einen französischen Diesel umsteigen, bevor es für einen deutschen „Stinker“ nichts mehr gibt? Nur zur Einordnung: Gerade französische Diesel schnitten in den Realtests besonders schlecht ab.

Den Schaden durch die Abgasmanipulationen können nur die Konzernchefs reparieren. Und sicher nicht so, wie sie bisher aufgetreten sind. Eindeutig früher als später brauchen wir auch neue Antriebe, die gut für Klima und Gesundheit sind. Dass dies aber der Elektromotor ist, ist bei der heutigen Produktion der Batterien und dem heutigen Strommix eher unwahrscheinlich.

Die Zwischenzeit sollten wir nutzen, um die Trümmer der argumentativen Massenkarambolage in Gerichten, Autohäusern und Kommentarredaktionen aufzuräumen. Wir sollten noch mal überlegen, was schiefläuft auf Deutschlands Straßen, in Stuttgart und an der B14.

In jeder größeren deutschen Stadt gibt es solche Orte, hässlich und unwirtlich, gezeichnet von einer Nation, die vom Verkehr lebt. Sei es wegen ihrer Pendler, die in den Zentren arbeiten, aber günstig und grün auf dem Land leben. Sei es wegen all der Waren, die – ja, wir sind Exportweltmeister – zügig zu den Kunden müssen. Oder wegen der Autokonzerne, die jedes Jahr zig Millionen Autos in der ganzen Welt verkaufen.

All das ist in den letzten 70 Jahren so gewachsen, galt als Erfolg, als Wirtschaftswunder. Viele Nationen beneiden uns darum. Trotz allem.

Stuttgart hat übrigens auch solche Zahlen zu bieten: Mit 79,4 Jahren für Männer und fast 84 Jahren für Frauen ist die durchschnittliche Lebenserwartung hier eine der höchsten im ganzen Land. Und sie steigt weiter. Das wird Gründe haben. Von 2010 bis 2016 zogen fast 50.000 Menschen unterm Strich neu in die Stadt. Auch das wird Gründe haben. Einer davon ist vielleicht sogar die deutsche Autoindustrie.