FahrverboteDer Dieselmotor - eine Ehrenrettung

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Der Diesel kann sauber sein

Dieselmotoren können nicht nur sauber sein, sie sind auch klimafreundlicher als ihre häufigste Alternative, der Benzinmotor. Diesel verbrauchen weniger Sprit und blasen daher auch weniger CO₂ in die Luft. Zum Vergleich: Ein E-Klasse-Diesel verbraucht etwa zwei Liter weniger Kraftstoff je 100 Kilometer als ein vergleichbarer Benziner und stößt dabei etwa 3 Kilogramm weniger CO₂ in die Luft. Bei allen Zweifeln an den Tests, diese Kluft zwischen Diesel und Benziner ist unstrittig. Ohne den Diesel aber sind alle Ziele der Bundesregierung und der Europäer, ihren CO₂-Ausstoß deutlich zu reduzieren, völlig illusorisch.

Nun verweisen die Kritiker deutscher Autos gerne auf das Elektroauto, am besten in seiner schicksten Ausführung aus Kalifornien, dem Model S von Tesla. Ja, ein tolles Auto, das Daimler, BMW und Volkswagen bisher nicht hinbekommen.

Das Elektroauto hat in der Debatte alle anderen möglichen Antriebe verdrängt. Es ist zum Symbol einer angeblich emissionsfreien Zukunft geworden. Politiker fordern sogar eine verbindliche Quote für Elektroautos. Doch eine Antwort auf die Frage, wie wir uns umweltfreundlich fortbewegen sollen, wenn wir weder Diesel noch Benzin verbrennen dürfen, sind die E-Mobile nicht. Elektroautos vermeiden keine Schadstoffe, sie verlagern sie bloß – räumlich und zeitlich.

So starten Stromer heute mit einem gewaltigen ökologischen Handicap, noch bevor sie einen einzigen Kilometer gefahren sind. Der Grund ist der hohe Energieverbrauch bei der Produktion der derzeit üblichen Lithium-Ionen-Batterien. Eine aktuelle Studie im Auftrag der schwedischen Transportbehörde kommt zu dem Ergebnis, dass pro Kilowattstunde Batteriekapazität zwischen 150 und 200 Kilogramm CO₂ entstehen. Allein die Akkuproduktion eines Tesla S führt damit zu 15 Tonnen Treibhausgasen – etwa doppelt so viel wie bei der gesamten Herstellung eines herkömmlichen Pkw. Die besondere Ironie: Die Belastung nimmt derzeit linear zur Größe und Menge der Akkus zu. Steigt also, wie sehnlichst gefordert, die Reichweite, dann nehmen auch die Emissionen zu. Ändern ließe sich das nur, wenn die Batterien mit erneuerbaren Energien produziert würden.

Dreckige E-Autos

Außerdem stecken die Autos, vor allem die Batterien, voller seltener Rohstoffe, deren Abbau – meist in Entwicklungsländern – eine gigantische Umweltsauerei bedeutet: Landstriche werden verwüstet, Menschen umgesiedelt, Wasser vergiftet.

Auch kommt der Strom nicht – wie es einst süffisant die Gegner der Atomkraft ihren Anhängern vorhielten – aus der Steckdose. Sondern in Deutschland etwa zur Hälfte aus Kohle und Gas. Ihr Anteil ist seit Jahren konstant und wird es noch lange bleiben, weil wir zunächst die letzten Atommeiler abschalten. In jüngster Zeit geht der CO₂-Ausstoß Deutschlands sogar wieder nach oben – weil es mehr Verkehr gibt, wir immer größere und schnellere Autos fahren und wir mehr Kohle und Gas für Strom verfeuern.

Rund 100.000 Kilometer muss in Deutschland ein E-Auto mit dem üblichen Strommix fahren, bis seine Ökobilanz besser aussieht als die eines modernen Diesel. In China, das ja besonders aggressiv in die Elektromobilität investiert, seinen Strom aber zu 80 bis 90 Prozent aus Kohle, Öl und Gas gewinnt, können sie gar nicht so viel fahren, wie sie müssten, um mit einem Elektroauto auch nur ein bisschen für das Klima zu tun. Die Franzosen, die den Verbrenner bis zum Jahr 2040 ganz von der Straße verbannen wollen, haben es da leichter – ihr Strom kommt zum Großteil aus Atommeilern. Doch auf die wird Deutschland ja ab dem Jahr 2022 ganz verzichten.

Und der Feinstaub, viele Jahre ebenfalls ein Dauerthema verkehrsgeplagter Großstädter? Den produzieren Elektroautos fast im gleichen Maße wie Verbrenner. Denn der meiste Feinstaub im Verkehr entsteht durch den Abrieb der Reifen auf dem Asphalt und die Bremsen, nicht im Motor. Und noch ein oft missachtetes Detail: Der größere Teil des Feinstaubs, so viel weiß man inzwischen, entsteht gar nicht im Straßenverkehr – sondern in Heizungen und Fabriken. Zur Messstation Am Neckartor beispielsweise wird er größtenteils „hineingetragen“, wie Experten sagen.

Trotzdem wird die Stadt wohl demnächst wieder nachts die B14 abspritzen, um des Feinstaubs Herr zu werden. Das hat zwar noch nie etwas gebracht, gibt aber allen das gute Gefühl, etwas versucht zu haben. Auf diesem Niveau bewegt sich die Dieseldebatte: Erst mal mit aller Kraft weg damit, egal ob es das Problem löst.