TechnologieDas sind die Vorreiter der Blockchain-Technologie

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Die Lösung: Blockchain. Hier werden alle Transaktionen regis­triert, die Daten in Blöcken gebündelt und mithilfe von Verschlüsselungstechnik untrennbar miteinander verkettet. Verwahrt wird dieses Register aber nicht an einem zentralen Ort, sondern bei allen, die sich an diesem Netzwerk beteiligen. Neue Transaktionen werden einfach an die Kette angehängt und gespeichert. Vor allem aber: Vergangene Transaktionen können nicht mehr verändert werden – sie liegen sicher verpackt in den bereits gebildeten Blöcken. Damit ist die Kette praktisch immun gegen Manipulationen und Angriffe. Das ausgeklügelte System hat dazu geführt, dass die Digitalwährung Bitcoin fast ein Jahrzehnt überlebt hat. Handelsplätze mögen gehackt und leer geräumt worden sein – eine Attacke gegen den Kern des Systems, die Blockchain, ist noch nie gelungen.

Mehr als nur der Betrieb einer Währung

Früh erkannten die Krypto-Fans, dass sich mit der verteilten Datenbank mehr anstellen lässt als nur der Betrieb einer Währung. Mit dem ersten Bitcoin-Boom 2013 wuchs das Interesse auch außerhalb der Szene. Alternative Blockchains wie Ethereum entstanden, aber auch die ersten Lösungen, die sich für Unternehmen eignen: private Blockchains.

Sie lösen, auch abseits einer Währung, das Double-Spend-Problem. Wer zum Beispiel schon einmal mit mehreren Menschen an einem Word-Dokument gearbeitet hat, kennt das Problem, dass sich im virtuellen Raum Änderungen schnell überschneiden und irgendwann keiner mehr weiß, welches Dokument eigentlich das Original ist. Im ­simpelsten Fall dienen Blockchains daher schlicht als glaubwürdiger und ausfallsicherer Informationsspeicher in einer komplexen Umgebung – wie im Falle des ersten Projekts bei der Bahn.

Der Frachtbrief, der jede Containersendung begleitet, besteht heute noch aus Papier. Kühne + Nagel will ihn mit einem Konsortium auf Blockchain umstellen.
Der Frachtbrief, der jede Containersendung begleitet, besteht heute noch aus Papier. Kühne + Nagel will ihn mit einem Konsortium auf Blockchain umstellen.

Die Bahn ist einer der größten Stromverbraucher in ­Europa und beschäftigt darum eigene Stromhändler. Die bekamen bisher von den verschiedenen Geschäftsfeldern der Bahn den geplanten Verbrauch per Fax, Telefon und E-Mail gemeldet, mit einem Tag Vorlauf. Radikal vereinfacht wurde das über eine Blockchain-Lösung, die diese Meldungen sammelt. Die Anwender bedienen dabei ein normales Computerprogramm – viele wissen gar nicht, dass es auf einer verteilten Blockchain läuft und nicht auf einem zentralen Server. Rein technisch hätte das auf Grundlage einer normalen Datenbank gebaut werden können – der Vorteil der Blockchain-Variante aber ist die Unveränderlichkeit der Einträge. Kein Administrator kann Buchungen mehr korrigieren. Die saubere Dokumentation erfreut auch Buchhalter und Revisoren.

Fühlt sich an wie 1993

Der Aufbau der Handelsplattform war für von Bonins Team eine ungewohnte Erfahrung: „Bei einer so rohen Technologie gibt es keine Blaupausen. Alle reden immer von Prototypen, aber keiner hat etwas operativ am Laufen. Da muss man dann selber ran.“ Dabei hätten nur etwa 20 Prozent des Aufwands die Blockchain selbst betroffen, der Rest der Arbeit sei auf die Anbindung bestehender IT-Systeme entfallen. Doch sei das einmal erledigt, könnten schnell die nächsten Anwendungen folgen. „Natürlich würden wir gerne alle Prozesse durchblockchainisieren!“