InterviewViele „Einhorn“-Start-ups werden untergehen

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„Wir werden Firmen scheitern sehen“

Die Bewertungen sind trotzdem sehr hoch. Und früher gab es das Phänomen der Einhörner nicht. Was ist der Grund dafür? Ist zu viel Geld im Markt?

Das ist der einzige Grund. 100 Mrd. Dollar Risikokapital jagen jedes Jahr um den Globus, deshalb erleben wir solche Deals. Aber das Phänomen der Einhörner wird auch überschätzt. Denn das Risiko liegt ja nicht bei den Investoren, sondern bei den Unternehmern. Die meisten Geldgeber habe strenge Klauseln in die Verträge schreiben lassen, um ihre Anteile zu schützen. Wenn die Gründer also eine neue Finanzierungsrunde starten, werden vor allem ihre Anteile verwässert. Viele haben nicht bedacht, was bei der einer Korrektur passieren würde.

Werden wir also Blut und Tränen erleben?

Wir werden auch Blut und Tränen sehen, ja. Wir werden Firmen scheitern sehen, aber am Ende des Tages ist es doch so: Wenn nur ein Einhorn es an die Spitze schafft, haben die Investoren gewonnen.

Und was ist Ihr Favorit unter den Einhörnern?

Haben Sie Kinder?

Ja.

Welches haben Sie am liebsten?…. Sehen Sie, ich kann diese Frage nicht beantworten. Meine Partner und ich haben, wenn wir beim Bier zusammensaßen, uns oft aus Spaß gefragt: Wenn einer von uns morgen aussteigt und ein Unternehmen aus dem Portfolio als Prämie mitnimmt – welches würde man nehmen? Wir hätten immer falsch gelegen. Die Zeiten sind zu dynamisch, die Dinge ändern sich zu schnell.

„Es gibt nur wenige Einhörner in Deutschland“

Werden wir mehr Einhörner in Europa erleben?

Ich bin ziemlich beunruhigt, was sich in Europa abspielt – und vor allem mache ich mir große Sorgen um Deutschland.

Warum?

Es gibt nur wenige Einhörner in Deutschland. Schauen Sie mal auf die Top 50 Internet-Unternehmen in der Welt. Deutschland steht von seiner Wirtschaftskraft auf dem vierten Platz, es war eines der Schlüsselländer bei der Industrialisierung und der Globalisierung. Aber im Informationszeitalter ist es nicht präsent. Warum? Ich sehe zwei Gründe: Erstens, die Europäer und speziell die Deutschen gehen nicht genug ins Risiko. Dabei gibt es in der EU bei weitem mehr junge Menschen mit Abschlüssen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) als in den USA. Aber wenn es darum geht, Risiken einzugehen und Start-ups aufzubauen, denken sie viel zu lokal und klein, anstatt zu sagen: Ich werde das nächste Facebook oder Google gründen. Ihr müsst in Deutschland mehr Experimente starten und dann eine Kultur haben, die sagt: Es ist okay zu scheitern.

Können wir etwas von den USA lernen?

Die meisten der Unternehmen im Silicon Valley scheitern. Na und? Dann werden sie Freitag halt dicht gemacht, und am Montag haben 80 Prozent der Leute einen neuen Job. Weil alle Firmen, die IT-Ingenieure brauchen, sofort E-Mails rausschicken. Am Wochenende finden die Bewerbungsgespräche statt – und 80 Prozent arbeiten dann in einem neuen Unternehmen. Die meisten sind dann sogar noch in der gleichen Fahrgemeinschaft.

Und die anderen 20 Prozent?

Das sind Start-up-Leute, die nehmen sich halt ein paar Wochen frei und schauen dann, was sie machen. Wir haben 50.000 offene Stellen im Silicon Valley für Ingenieure aus den MINT-Fächern.