HandelskonfliktUSA vs. China: „Wer vermag schon, Donald Trump vorauszusagen“

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Nochmal zurück zum Auslöser des Handelskonflikts: Die Strafzölle der USA beziehen sich auf den unfairen Umgang Chinas mit amerikanischer Technologie und geistigem Eigentum. Ist das nicht ein gerechtfertigter Vorwurf der USA?

Natürlich hat Trump da einen Punkt. Den hat er an mehreren Stellen. Das führt dann aber nicht unbedingt zu den richtigen politischen Schlüssen. Der chinesische Präsident benimmt sich in Davos wie der Verteidiger des freien Welthandels, ist aber verantwortlich für ein hoch protektionistisches Wirtschaftssystem, was China immer noch ist. Faire Wettbewerbsbedingungen für ausländische Unternehmen sind letztendlich nicht zu sehen. Auch der Diebstahl von geistigem Eigentum ist ein Thema, das seit 15 bis 20 Jahren nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch Europa und insbesondere die Bundesregierung beschäftigt. Die Kanzlerin hat in den letzten Jahren regelmäßig auf dieses Problemfeld hingewiesen. Da ist längst nicht alles gold, was glänzt und einiges an der Kritik ist sicherlich absolut berechtigt. Aber die Frage ist, ob man mit einer so konfrontativen Handelspolitik die Probleme löst oder ob man sie nicht weiter verschärft.

War Chinas Reaktion sinnvoll, die Zölle im Frühjahr 2017 ebenfalls anzuziehen?

Das war eine Reaktion, die Staaten an den Tag legen, wenn sie sanktioniert werden. Solange sie Möglichkeiten haben, zu Gegensanktionen zu greifen, tun sie das – zur Gesichtswahrung. Auch die EU bedroht den einstigen amerikanischen Partner damit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sollte er Zölle auf Automobile einführen. Das ist ein normales Verhalten.

Welches Verhalten wäre nun angebracht?

Das ist die Preisfrage. Natürlich ist es sinnvoll, sich vernünftig zusammenzusetzen. An einigen Stellen, das erkennt auch die chinesische Führung, haben die USA natürlich auch ein Argument auf ihrer Seite. Eine rationale Verhandlungspolitik ist in all solchen Fragen ohne Alternative. Ich glaube, China wäre durchaus bereit, sich auf eine solche Strategie einzulassen, aber auf der amerikanischen Seite fehlt es an der notwendigen Rationalität und an der grundständigen Verhandlungsbereitschaft. Wenn ein Präsident in Nullsummenspielen denkt und glaubt, dass Handelskriege „leicht zu gewinnen“ seien, dann funktioniert dieser Denkansatz nicht.

Wird China seine ehrgeizigen Ziele für die Technologie-Führerschaft in einigen Branchen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts erreichen?

Ja, mit hoher Wahrscheinlichkeit. Dahinter steckt der gesamte politische Wille, die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und das Bewusstsein um ein wesentliches Wettbewerbsfeld. Die chinesische Regierung wird alles tun, um an dieser Stelle entsprechend erfolgreich zu sein.

Einige Beobachter rechnen damit, dass Chinas wirtschaftlicher Aufstieg nicht ewig so linear weitergeht.

Das ist eine einfache Kalkulation. Auch in China werden die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Das Land hat eine ganze Reihe von Risiken, die auch jederzeit aufbrechen können. Aber ich wäre durchaus zuversichtlich, dass der Aufstieg des Landes weitergeht. Der kann sich verlangsamen und auch mal in Schwierigkeiten geraten, aber mit Blick auf die langfristige Perspektive der chinesischen Elite spricht einiges für den weiteren Aufstieg Chinas.

Wird China in 10 Jahren die Supermacht der Welt sein, vor den USA?

Das ist nicht auszuschließen, setzt allerdings voraus, dass die beiden sich nicht militärisch ins Gehege kommen. Insbesondere in den Vereinigten Staaten läuft eine intensive Debatte, was die Möglichkeiten und Risiken, aber auch Chancen einer militärischen Konfrontation mit China angeht. Wir Europäer schauen da eher ungläubig zu. Wir werden die Notleidenden sein, aber in dieser Frage kein großes Mitspracherecht haben.


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