HandelsstreitUSA vs. China: Droht ein Währungskrieg?

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Dieser Effekt scheint derzeit nicht zu wirken. Obwohl China US-Anleihen verkauft hat, ist die Verzinsung gesunken. Es ist offenbar einfach so viel Geld in den Märkten, dass der Abbau der chinesischen Investitionen kaum jemanden beeindruckte.

Grundsätzlich gilt, dass es keine überzeugenden alternativen Anlagemöglichkeiten gibt, in die China seine Reserven pumpen könnte. Der Goldmarkt ist nur begrenzt aufnahmefähig. Der Markt für europäische Staatsanleihen wiederum ist stark zersplittert und nicht sonderlich liquide. Ganz davon abgesehen, dass viele Staatsanleihen der Eurozone anders als die der USA mittlerweile eine negative Verzinsung aufweisen.

China als Retter

Jede Analyse der chinesischen Kapitalströme muss allerdings mit einer Einschränkung leben. Die Daten des US-Finanzministeriums, die den Kapitalverkehr wiedergeben, können nicht alle Veränderungen im Portfolio der chinesischen Währungsreserven erfassen. Es ist denkbar, dass ein Teil davon auf Treuhandkonten in Luxemburg oder Belgien geflossen ist. Auch könnte es sein, dass Peking versucht, seine Gewinne zu steigern, indem es auf andere, höher verzinste Anlagen in Dollar umschichtet.

Es bleibt die Frage, welches Ziel die Führung der Kommunistischen Partei in China wirklich verfolgt. Wie wird die angespannte Lage in der Handelsgesprächen mit Trump tatsächlich bewertet? Sicher ist nur, dass die Weltmärkte stark verunsichert würden, sollte China sich abrupt entscheiden, seine US-Staatsanleihen abzustoßen. Und es gibt nichts, was Chinas Führung mehr fürchtet als eine instabile Lage.

Volckers Satz über die „fatale Umarmung“ legte übrigens auch noch eine ganz andere Art von Abhängigkeit offen. Chinas gigantische Ersparnisse und seine wachsenden Währungsreserven trugen entscheidend zu der Kreditblase in den USA bei, die in den Jahren 2007 und 2008 beinahe eine Depression nach Vorbild der 30er-Jahre auslöste. Zugleich aber half China auch dabei, die Weltwirtschaft wieder auf Touren zu bringen – mit einem gewaltigen fiskalischen und geldpolitischen Hilfsprogramm. Natürlich hatte das Land dabei seine eigenen Interessen im Auge, aber es half letztendlich allen. Es mag wie ein Allgemeinplatz klingen, aber ökonomische Abhängigkeiten haben eben immer zwei Seiten.

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