GastbeitragUnternehmensfinanzierung geht bald anders

Blick in eine Smart Factory
Smart Factory: Solche modernen Produktionsstätten erfordern hohe InvestitionenGetty Images

Die Digitalisierung verschlingt viel Geld. Das sind zum einen immaterielle Kosten, verursacht durch notwendig gewordene Change-Projekte, Umbau in Scrum- und agile Organisationen und die damit verbundenen Verwerfungen und Ängsten in der Belegschaft. Und materielle Kosten, denn all die hinter den Schlagworten wie „Industrie 4.0“ oder „Deutschland 4.0“ stehenden Technologien und Entwicklungen kosten Geld. Software-Programme zur Auswertung von Big Data, Einführung von Systemen der Künstlichen Intelligenz, selbststeuernde „Smart Factories“ – ja, auch „nur“ die Anwerbung von „4.0-fähigen“ Nachwuchskräften, Entwicklern, Führungskräften und (externen) Beratern sowie der Aufbau einer entsprechenden HR- und PE-Infrastruktur zur Entwicklung des entsprechenden Mitarbeiter- oder Mitentrepreneur-Stabes sind vor allem eines: teuer. Enorm teuer.

Vielleicht können international aufgestellte Konzerne mit ihrer Finanzkraft und ihrem Finanzierungs-Know-how das stemmen. Und vielleicht erhält ein schickes digitales Start-up mit seiner coolen App-Idee fettes Seed Money oder begeistert technologieaffine Investoren, die auf einen baldigen vergoldeten Exit spekulieren. Doch schauen wir mal zum vielzitierten „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“: dem Mittelstand. Wer im Mittelstand soll das eigentlich alles bezahlen? Und wie? Bisher galt der alte Finanziererspruch:„Finance has to fit the business“. Und wenn er weiter gilt, müssen wir überlegen, was sich denn im Business 4.0 ändert – und was in der Finanzierung 4.0.

Worauf müssen wir uns einstellen?

Finanzen und Digitalisierung – da denkt momentan jeder an Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Litecoin und andere Altcoins. Aber das – und die Blockchain schon gar nicht –wird in nächster Zeit nicht das eigentliche Problem der mittelständischen Unternehmen sein. Sondern an das Geld zu kommen, das benötigt wird, um weiterhin auf dem Markt mitspielen zu können. Um den digitalen Umbau – die Zukunft der eigenen Firma – finanzieren zu können. Um vielleicht neue Produkte, neue Marken, neue digitale Geschäftsmodelle an den Markt zu bringen, um Ausgründungen oder neue Tochterfirmen zu finanzieren. Oder auch ganz simpel nur neue, innovative Mitarbeiter zu finden, neue Produktions- und Prozess-Strukturen aufzubauen und agil umzubauen, neue Projekte auszuprobieren, neue Produktideen zu entwickeln.

Bisher geht der Mittelstand ganz klassisch zu seiner Bank. Gegebenenfalls mit deutlich höheren erforderlichen Investitionsvolumina und damit steigendem Kreditbedarf im Nacken. Und das bedeutet in der Konsequenz: noch mehr Herausforderungen. Noch mehr Anforderungen, neues Wissen, neue Ansätze. Beispielsweise:

  • In der Geschäftsführung muss Klarheit über neue Digitalisierungsinvestitionen herrschen und aufgebaut werden, um internetbasierte Finanzierungsinstrumente überhaupt richtig nutzen zu können.
  • Andere Denke und andere Bewertungen: Assets statt Commodities – was schafft eigentlich Wert? Marken und Patente, Software-Entwicklungen und digitale Produkte sind die neuen Werte – machen Sie sich und den Banken klar, wie groß diese zu bewerten sind.
  • Die Finanzkommunikation gerade der mittelständischen Unternehmen muss massiv ausgebaut werden. Sagen wir es geradeheraus: Hier liegt seit Jahren vieles im Argen, gerade der Mittelstand neigt Studien zufolge bisher zu einer eher „verklemmten“ Kommunikation, um Banken, aber vor allem auch anderen Marktteilnehmern und Wettbewerbern möglichst nicht zu viele Daten zu geben. Wie jede andere Kommunikation auch, wird aber die Finanzkommunikation in den nächsten Jahren immer proaktiver, besser aufbereitet, „mitreißender‘“ werden müssen.

Unternehmensfinanzierung in Zeiten der Digitalisierung bedeutet aber nicht nur neue Herausforderungen, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten für den „Mittelstand 4.0“. Auf Grund der gebotenen Kürze kann ich hier nur ein paar Aspekte anreißen, die sich im Wesentlichen den beiden Bereichen öffentliche Finanzierungen/öffentliche Zuschüsse und private/privatwirtschaftliche Finanzierungsmodelle zuordnen lassen: