E-MobilitätSonnen fordert Tesla heraus

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Philipp Schröder war Deutschlandchef von Sonnens größtem Rivalen Tesla. 2015 wechselte er zu den Allgäuern und ist nun das Gesicht des Unternehmens
Philipp Schröder war Deutschlandchef von Sonnens größtem Rivalen Tesla. 2015 wechselte er zu den Allgäuern und ist nun das Gesicht des Unternehmens
© Tanja Kernweiss

Doch der Kampf um die Hoheit auf dem Batteriemarkt ist noch lange nicht entschieden – zumal nun auch Energiekonzerne wie Eon und neue Anbieter wie der Autobauer Daimler verstärkt in das Geschäft drängen. Ende Oktober 2016 legte auch Tesla mit einer neuen Powerwall mit doppelt so viel Speicherplatz nach. Die 14 Kilowattstunden Strom reichen aus, um ein Haus mit zwei Schlafzimmern einen Tag lang zu versorgen.

Ab Februar wollte Tesla die Powerwall 2 in Deutschland verkaufen. Kosten: 6000 Euro plus 1000 Euro für die Installation. Umgerechnet auf den Preis pro Kilowattstunde ist das deutlich günstiger als die Batterie von Sonnen. „Wenn dieser Preis tatsächlich kommt, ist das ein Game-Changer“, sagt ein Brancheninsider. Allerdings habe Tesla schon früher Preise am Ende nicht gehalten. Tatsächlich musste die Musk-Firma vergangenes Jahr auch Lieferverzögerungen bei der Powerwall 2 einräumen.

„Tesla will mit seinen Ankündigungen den Markt einfrieren“, schimpft Ex-Tesla-Mann Schröder, Sonnens Vertriebsgeschäftsführer, der schärfer über den Erzrivalen aus Palo Alto redet als sein Chef in Wildpoldsried. Der 34-Jährige sitzt in einer mit Glas abgetrennten Ecke von Sonnens Berliner Vertriebsbüro in einem Kreuzberger Hinterhof. Es ist der einzige Bereich, in dem seine auf fast 40 Leute angewachsene Verkaufstruppe noch etwas Platz gelassen hat. Über alte Tesla-Drähte weiß Schröder, dass Musk für die Powerwall 2 eine Preisgestaltung freigegeben hat, „die uns auf den ersten Blick aus dem Markt katapultiert“. Dabei sei dieser Preis für Tesla eine betriebswirtschaftliche „Katastrophe“.

Millionen potenzielle Kunden

Gerade ist Schröder von einem Branchentreff in San Francisco zurückgekommen, wo er sich mit einem Top-Manager von Tesla auf der Bühne gekabbelt hat. In den USA wird der Kampf der beiden Rivalen besonders erbittert geführt. 2016 eröffnete Schröder ein Vertriebsbüro in Los Angeles. Es gibt nun eine eigene Fertigung für den US-Markt und ein neues Forschungszentrum. Zuletzt luchste Schröder seinem Ex-Arbeitgeber noch einen Manager ab, der für den Verkauf der Powerwall in den USA zuständig war. Um mehr eigene Batterien abzusetzen, soll die Sonnencommunity im Herbst auch in den USA starten. Bislang werden dort nur die Speicher verkauft.

Für den deutschen Markt haben die Allgäuer vergangenes Jahr etwas vorstellen, das ihr Chefverkäufer eine „Bombe“ nennt: ein Produkt, mit dem auch Mieter Teil des Sonnen-Netzwerks werden und ihren Versorger rauswerfen können – nicht mehr nur Hausbesitzer mit eigener Solaranlage. „Wir wollen nicht nur Boxen an reiche Zahnärzte verkaufen“, sagt Schröder. In Deutschland gebe es 15 Millionen Einfamilienhäuser, aber 27 Millionen Wohnungen. Für Sonnen sind das 27 Millionen potenzielle neue Kunden. Hinzu kommen die 1,6 Millionen Fotovoltaikanlagen auf deutschen Dächern, die ab 2020 nach 20 Jahren aus der fixen Ökostromförderung fallen.

Gemessen an dem Potenzial bei Mietwohnungen und Bestandsanlagen sei alles bisher nur eine „Trockenübung“ gewesen, sagt Schröder. Sein Ziel klingt so großmäulig, dass es auch von seinem Ex-Chef Musk kommen könnte: zehn Millionen Kunden in zehn Jahren.

Die Erstfassung dieses Textes erschien zuerst in Capital 2/2017. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon