E-MobilitätSonnen fordert Tesla heraus

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Wachstumsstory China

Ex-Unternehmensberater Christoph Ostermann hat Sonnen 2010 zusammen mit einem Partner gegründet.
Ex-Unternehmensberater Christoph Ostermann hat Sonnen 2010 zusammen mit einem Partner gegründet. Die Gründer halten noch einen Minderheitenanteil
© Tanja Kernweiss

„Am Anfang hatte ich echt Berührungsängste“, sagt Sonnen-Chef Ostermann. Als sich die Chinesen bei ihm meldeten, fragte er sich zuerst, ob sie es nur auf seine Technologie abgesehen hätten. Dann flog Ostermann in die Envision-Zentrale und schaute sich einige der weltweiten Entwicklungsstandorte an.

Dabei stellte er fest, dass die Chinesen nicht nur Turbinen bauen und Windparks errichten und betreiben. Envision entwickelt Steuersoftware für erneuerbare Energien und investiert in führende Unternehmen für Elektroauto-Infrastruktur, darunter die Silicon-Valley-Firmen Chargepoint und Autogrid.

„Das sind keine Copycats“, sagt Ostermann heute. Vielmehr soll ihm der neue, kapitalstarke Investor Zugang zum Riesenmarkt China verschaffen – und damit auch eine Wachstumsstory für den angepeilten Börsengang liefern. „Wenn Sonnen weiterhin so schnell wächst, ist es überhaupt kein Problem, an die Börse zu gehen“, sagt Private-Equity-Experte Pütter, der für die Allianz in Unternehmen wie Tank & Rast investiert und ein Greentechportfolio aufgebaut hat. Für einen Börsengang an der US-Technologiebörse Nasdaq sei Sonnen schon heute groß genug, sagt Pütter. Angestrebt sei aber ein Listing auch in Deutschland.

Dabei ist es nicht lang her, dass Ostermann für seine Idee auf Fachmessen ausgelacht wurde. An diese Zeit erinnert in der Firmenzentrale eine klobige Box neben der Eingangstür mit einem „Atomkraft? Nein danke“-Aufkleber. Der Kasten ist eine der ersten Sonnen-Batterien von 2011, die Co-Gründer Torsten Stiefenhofer zusammengebastelt hatte. Damals kostete der Vier-Kilowattstunden-Speicher 25000 Euro. Verkauft wurden keine 100 Stück an Ökofreaks. Fünf Jahre und sieben Generationen später bekommt man die Batterie mit dem gleichen Speicherplatz für ein Fünftel des einstigen Preises.

Über viele Jahre drehte sich im Speichergeschäft fast alles um den Preis. Anbieter wie Sonnen, Senec, LG Chem, SMA oder der Dresdner Hersteller Solarwatt von BMW-Großaktionär Stefan Quandt konkurrierten um die billigste Box. Umso größer war der Schock in der Branche, als Elon Musk, der Chef der Silicon-Valley-Ikone Tesla, Ende April 2015 in einer pompösen Show eine eigene Batterie für Privathaushalte ankündigte. Teslas „Powerwall“ werde mit 3000 Dollar günstiger als alle Wettbewerber sein und auch viel schicker aussehen, versprach der milliardenschwere Glamourboy der Greentechbranche. Über die Akkus seiner Rivalen spottete er: „They suck.“

Teslas Marketingmaschine bringt Aufmerksamkeit

Nur einen Tag vor der Musk-Show hatte Ostermann den Einstieg der Allgäuer in den US-Markt angekündigt. Nun schlug der Sonnen-Chef zurück. Ostermann warb Musks Deutschland-Statthalter Philipp Schröder ab, der früher schon einmal bei Sonnen gewesen war. Und als Schröder im Oktober 2015 als Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing bei den Bayern anfing, kam er nicht allein. Er brachte sechs deutsche Tesla-Manager mit. So etwas hatte Musk noch nicht erlebt.

Wenn Ostermann über seinen aggressivsten Wettbewerber spricht, bemüht er sich dennoch um Gelassenheit. Natürlich sei Tesla eine „supercoole Marke“, sagt er. Rufe Musk etwas in die Welt hinein, „klingt das wie Donnerhall“. Dagegen sei Sonnen nur „ein kleines Unternehmen aus dem Allgäu“. Am Ende bringe Teslas Marketingmaschine allerdings der gesamten Speicherbranche viel Aufmerksamkeit – nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei den Investoren.

Die Musk-Firma selbst kommuniziert ihren Powerwall-Absatz nur spärlich. Bekannt ist bloß, dass im ersten Quartal 2016 weltweit 2500 der auf Teslas E-Auto-Batterietechnologie basierenden Heimakkus ausgeliefert wurden. Aus der Branche heißt es, in Deutschland seien seit dem Verkaufsstart im März rund 650 Powerwalls installiert worden. Anders als in den USA, wo Tesla auf Anhieb zum Marktführer vor Sonnen aufgestiegen ist, ist der Hype in Europa größtenteils verpufft.