Interview„Unternehmen haben bei der Integration gute Arbeit geleistet“

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Welche Rolle kommt dabei dem Bürokratieabbau zu?

Das ist ein weiterer Punkt. Viele Menschen haben Kenntnisse, die aber nicht – wie in Deutschland erforderlich – formell dokumentiert sind. Andere Kenntnisse sind gar nicht unbedingt nötig. Ich sage nicht, dass man die Qualitätsstandards herunterschrauben soll, aber bei bestimmten Arbeitsplätzen sind Sprachkenntnisse nicht unbedingt wichtig. Da müsste man in den Regelungen flexibler werden.

Aktuell sind viele Flüchtlinge in geringfügiger Beschäftigung, Leiharbeit und Zeitarbeit beschäftigt. Wie wirkt sich das auf die deutsche Wirtschaft aus?

Grundsätzlich bekommen Geflüchtete in geringfügiger Beschäftigung staatliche Unterstützung. Die Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen sind also negativ. Gleichzeitig tragen auch Niedriglohn-Arbeitsplätze dazu bei, die Gesamtbelastung der öffentlichen Finanzen zu verringern. Daher ist auch Arbeit in einem Minijob besser als keine Arbeit.

Wie könnte man hier die Integration weiter vorantreiben?

Das hängt von der Bildung und anderen Qualifikationen ab. Allerdings ist es hier wichtig zu betonen, dass auch niedrige Produktivität eine Chance zur Integration bietet. Wenn die Geflüchteten zum Beispiel ihre Deutschkenntnisse verbessern, hat ein Teil von Ihnen auch das Potential, eine bessere bezahlte Beschäftigung zu bekommen. 

Wo sehen Sie Potential der Integration von Geflüchteten in die deutsche Wirtschaft?

Was Hoffnung macht ist, dass viele Geflüchtete relativ jung sind. Wenn sie sich in Deutschland weiterbilden, haben sie noch viel Gelegenheit ihre Sprachkenntnisse und Qualifikationen für den Arbeitsmarkt zu verbessern.

Das heißt die nächste Generation – also die Geflüchteten, die jetzt im Kindes- und Jugendalter sind – hätte das Potential, positiv auf den Fachkräftemangel einzuwirken?

Sicherlich, dabei spielen aber vor allem die Integration in der Schule und dort insbesondere der Deutschunterricht eine wichtige Rolle. Damit das Potential dieser jungen Generation nicht verloren geht.