Interview„Unternehmen haben bei der Integration gute Arbeit geleistet“

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Als die Flüchtlingsbewegung 2015 zugenommen hat, gab es die Hoffnung, Geflüchtete könnten den Fachkräftemangel lösen. Was ist daraus geworden?

Die Aussage, dass man die Flüchtlingskrise als Lösung für den Fachkräftemangel sehen kann, verliert etwas Wichtiges aus dem Blick: Geflüchtete kommen aufgrund von humanitären Notlagen nach Deutschland und nicht mit dem Ziel, zu arbeiten. Daher ist die Integration von Geflüchteten schwieriger als die Integration von Arbeitskräften, die mit dem Ziel kommen ihr Potential in den Arbeitsmarkt einzubringen. Aber natürlich tragen Geflüchtete, die erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert werden, auch zur Abmilderung des Fachkräftemangels bei.

Wo sehen Sie dabei Hürden in der Arbeitsmarktintegration?

Ein wichtiger Punkt sind die Sprachkenntnisse. Denn viele Arbeitsplätze bedürfen guter Deutschkenntnisse, die wenige Geflüchtete haben. Natürlich gibt es auch Erfolgsgeschichten, aber der Spracherwerb braucht Zeit. Auch die Qualifikationen entsprechen oftmals nicht den Standards am europäischen Arbeitsmarkt. Allerdings gibt es auch auf Seiten Deutschlands zu viel Bürokratie.

Können Sie da ein Beispiel nennen? 

In den ersten Jahren der Flüchtlingskrise wussten Unternehmen, die Geflüchtete als Auszubildende eingestellt haben, nicht, ob ihre Auszubildenden auch bis zum Ende der Ausbildung in Deutschland bleiben können. Jetzt hat sich das gebessert, aber die Unsicherheit für die Unternehmen und die Auszubildenden hat es beiden Seiten erschwert, in die Ausbildung zu investieren.

Welche Schritte wären notwendig, um die Integration zu verbessern?

Ein Punkt wäre natürlich, dass es Bleibeperspektiven gibt für die Arbeitnehmer von Unternehmen, die einen Arbeitsplatz anbieten. Gleiches gilt für die Aufnahme von Studienplätzen. Das kann vielleicht nicht immer für jeden Fall gelten, aber wenn ein Mensch sich auf der Arbeit einbringt und nicht längerfristig bleiben kann, ist das ein Verlust für das Unternehmen, dass den Arbeitsplatz anbietet und für den Arbeitnehmer, der sich Mühe in seiner Arbeit gegeben hat. 

Würden Sie sich hier mehr Mitsprache der Unternehmen wünschen?

Ja, denn die Unternehmen können gut einschätzen, wer zu ihren Arbeits- oder Ausbildungsplätzen passt. Und die Unternehmen, die Geflüchtete eingestellt haben, haben bei der Integration sehr gute Arbeit geleistet.