ExklusivEx-KTG-Chef Hofreiter zurück im Geschäft

Ex-KTG-Chef Siegfried Hofreiter
Ex-KTG-Chef Siegfried Hofreiter hat Europas größten börsennotierten Agrarkonzern aufgebaut - und 2016 in die Pleite geführt. Jetzt versucht er einen NeuanfangLaif/Amin Akhtar

Der langjährige Vorstandschef des Pleitekonzerns KTG Agrar, Siegfried Hofreiter, ist wieder zurück im Agrargeschäft. Wie Capital unter Berufung auf Einträge im Handelsregister berichtet, hat Hofreiter mit der Hilfe von Vertrauten und Weggefährten ein kleines Firmenreich in Mecklenburg-Vorpommern aufgebaut. Bei den Unternehmen handelt es sich um einen Agrarproduktionsbetrieb, einen Dienstleister für landwirtschaftliche Maschinen und Personal sowie eine Firma, die mit Stroh und Pellets handelt. Die Pleite des KTG-Konzerns im vergangenen Jahr hatte unter anderem etwa 12.000 Zeichner von Mittelstandsanleihen um Millionensummen gebracht. Gegen den Ex-Chef und andere Manager ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Als Basis für seinen Neuanfang hat Hofreiter nach Angaben von KTG-Insidern die Gemeinde Postlow in der Nähe von Anklam gewählt. Das Örtchen hatte für die Familie, die das börsennotierte Unternehmen jahrelang kontrollierte, schon lange vor der Insolvenz im Juli 2016 eine Rolle gespielt. Im Postlower Ortsteil Görke befindet sich ein Agrarbetrieb, bei dem Hofreiters heute 19-jähriger Sohn Gesellschafter ist.

Seit August sitzt dort unter der gleichen Adresse auch die neu gegründete Firma Stroh Express, die sich auf ihrer Website als „zuverlässiger Lieferant für Qualitätsstroh in Europa“ bezeichnet. Eigentümerin und Geschäftsführerin ist laut Eintrag im Handelsregister Hofreiters Lebensgefährtin. Auch der Dienstleister Agroservice Nord-Ost gibt als Kontaktadresse die gleiche Anschrift an.

Die neue Capital erscheint am 19. Oktober

Hofreiter selbst steht bei den Unternehmen formal nicht in der ersten Reihe. Gegen den KTG-Gründer ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Untreue und Betrug. Bei den Eigentümern der drei Firmen handelt es sich aber allesamt um Personen, die mit Hofreiter in Verbindung stehen – so wie sein Sohn und seine Freundin. Der Agroservice Nord-Ost hieß bis vor Kurzem Agroservice A.M.S. – als Eigentümerin ist im Handelsregister Hofreiters frühere Lebensgefährtin und Ex-KTG-Großaktionärin Beatrice Ams eingetragen.

Nach Angaben von Insidern zieht Hofreiter bei den Firmen, die eng verbunden sind und bei Geschäften kooperieren, im Hintergrund die Fäden. Sowohl der Agrar-Dienstleister, der in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt aktiv ist, als auch der Strohhändler wachsen: Beide Firmen haben auf ihren Websites jeweils mehrere Vollzeitstellen ausgeschrieben.

Überweisungen an Privatfirmen

Auch Hofreiter selbst hat seit August einen neuen Posten. Der frühere Konzernchef amtiert jetzt als Vorstand bei einem Landgut auf Usedom – nicht weit entfernt von Postlow. Eigentümerin des Landguts in Welzin mit herrschaftlichem Anwesen und Biogasanlage ist dem Handelsregister zufolge seine Ex-Lebensgefährtin Ams. Eine Anfrage mit Bitte um Stellungnahme ließen Hofreiter und Ams unbeantwortet.

Während sich der Ex-KTG-Patriarch bemüht, eine neue Zukunft aufzubauen, läuft die Aufarbeitung der Pleite seines ehemaligen Vorzeigekonzerns weiter – nicht nur strafrechtlich. Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus will von Hofreiter, Ams und sechs weiteren früheren Vorständen und Aufsichtsräten Schadenersatz in Höhe von insgesamt 218 Mio. Euro eintreiben. Laut einem Gutachten von Wirtschaftsprüfern für den Insolvenzverwalter war die KTG-Dachgesellschaft KTG Agrar SE schon spätestens zum 30. Juni 2015 überschuldet – also ein Jahr vor dem Insolvenzantrag. Für die seitdem geleisteten Transaktionen sieht Denkhaus einen Haftungsanspruch gegen die früheren Mitglieder der Konzerngremien. Diesen will er auch per Klage durchfechten.

Eine Aufstellung der Zahlungsströme der KTG Agrar SE, die Capital vorliegt, dokumentiert, wohin ein Teil des Geldes von Anleihezeichnern und Aktionären im Jahr vor der Insolvenz geflossen ist. Die Aufstellung von knapp 2 000 Buchungen belegt unter anderem, dass in diesem Zeitraum eine Millionensumme an eine Reihe von Firmen aus dem privaten Umfeld des Familienclans Hofreiter/Ams, die mit dem Konzern Geschäfte machten, überwiesen wurde. Zu den Empfängern von Zahlungen gehörten der Auflistung zufolge auch zwei jener Firmen, die heute bei Hofreiters Neuanfang eine Rolle spielen.


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