Herles’ Zukunftsblick

KolumneUnser Sputnik-Schock

Seite: 2 von 2

Es ist Zeit die Augen zu öffnen

Nach dem echten Sputnik-Schock war in Amerika das Militär die Triebkraft der Erneuerung. Diese Rolle wird die Bundeswehr kaum einnehmen können. „Bedingt abwehrbereit“ las man zuletzt erschreckend häufig: U-Boote, die nicht tauchen, Helikopter, die nicht fliegen, Panzer, die nicht rollen. Aus guten Gründen wird der „Bericht zur Materiallage der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr“ an den Bundestag seit letzter Woche als geheim klassifiziert. Abgeordnete dürfen nicht öffentlich darüber sprechen. Es wäre vermutlich allzu peinlich.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz will den Wehretat trotzdem nur marginal erhöhen. Das Geld soll lieber für soziale Wohltaten wie die Grundrente ausgegeben werden. Dafür steckt das Verteidigungsministerium Millionen in externe Berater. Viel zu bewirken scheinen sie nicht. Zu Recht ein Fall für einen Untersuchungsausschuss. Und alle paar Wochen bleibt ein deutscher Regierungsvertreter auf Dienstreise unfreiwillig am Boden stehen. Ich würde mit der Flugbereitschaft der Luftwaffe nur ungern in den Urlaub fliegen wollen. Ihre Pannenserie steht symptomatisch für den Zustand der Republik.

Auf die Gefahr hin, mich in dieser Kolumne zu wiederholen: Es ist Zeit die Augen zu öffnen. Noch ist es nicht zu spät für mutige Investitionen und ganzheitliche Reformen. Die Vereinigten Staaten haben einst das Beste aus ihrem Sputnik-Schock gemacht. Sie haben auf breiter Front reagiert und die Nation zukunftsfähig gemacht. Bis heute erntet die Menschheit die Früchte der damaligen Anstrengungen. Unseren Sputnik-Schock nehmen wir hin, als könnten wir eh nichts ändern. Action required!