Elite-PanelElite-Panel: Merkel muss bleiben

Angela Merkel
Für die Elite ist sie die Nummer eins: Bundeskanzlerin Angela Merkel
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„Merkel muss weg!“ Diese Forderung von Pegida-Demonstranten und AfD-Vertretern macht sich die deutsche Elite nicht zu Eigen. Bundeskanzlerin Angela Merkel genießt im Wahljahr 2017 großes Vertrauen unter deutschen Top-Entscheidern. Mehr als drei Viertel von ihnen (76 Prozent) findet ihre erneute Kanzlerkandidatur gut. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 517 Führungsspitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag von Capital (Ausgabe 2/2017) und FAZ.

Die ungebrochen große Popularität von Merkels erklärt Allensbach-Chefin Renate Köcher mit dem Krisenmanagement der Kanzlerin: „Bei den Bemühungen, die Krisen der letzten Jahre in den Griff zu bekommen, war Angela Merkel die zentrale Figur. Es gibt im Moment niemanden, dem mehr zugetraut wird, die aktuellen Probleme zu lösen. Das gilt für die große Mehrheit der Bevölkerung wie auch für die Führungsspitzen.“

Ein SPD-Kanzlerkandidat hat gegen Merkel keine Chance. Egal ob Sigmar Gabriel, Martin Schulz oder Olaf Scholz antritt, die Elite würde die Kanzlerin vorziehen. 46 Prozent halten den designierten Außenminister Schulz für den aussichtsreichsten Kandidaten für das Kanzleramt. Aber der hat bereits Abstand von einer Kandidatur genommen. Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz halten 27 Prozent für aussichtsreich, vom aktuellen Parteichef Sigmar Gabriel sagen das nur 19 Prozent. Köcher rät den Sozialdemokraten, „sich nicht über Personen, sondern über Sachthemen Gedanken zu machen“. Sie müssten aber mehr bieten, als lediglich Umverteilungsprogramme.

Elite favorisiert Schwarz-Gelb

Eine Fortsetzung der Großen Koalition wünschen sich nur 18 Prozent der Führungskräfte. Knapp zwei Drittel erwarten jedoch, dass es nach der Bundestagswahl im September wieder ein Bündnis aus Union und SPD geben wird. Die meisten Top-Entscheider würden Schwarz-Gelb bevorzugen. Kein Wunder also, dass sich 78 Prozent der Befragten die Rückkehr der Liberalen in den Bundestag wünscht.

Den Einzug der rechtspopulistischen AfD in den Bundestag halten dagegen 85 Prozent nicht für gut. Die Popularität der AfD in der Bevölkerung schätzen die Entscheider aber mit großer Mehrheit (79 Prozent) als eine Protestwahl und nur acht Prozent als Rechtsruck ein.

Eine knappe Mehrheit (51 Prozent) der Elite sieht aber die Gefahr einer politischen Polarisierung in Deutschland ähnlich wie in den USA. Gründe dafür seien die Flüchtlingskrise und die wachsende Ungleichheit. Allerdings fürchten nur 37 Prozent der Befragten eine soziale Spaltung in Deutschland.

Die konjunkturelle Lage wird positiv wahrgenommen. So beurteilen 84 Prozent der Manager die Auftragslage ihres Unternehmens als gut oder sehr gut und 42 Prozent von ihnen glauben, dass es in den nächsten sechs Monaten mit der Konjunktur eher aufwärts geht.

Brexit verliert seinen Schrecken

Sorgen bereitet den Führungskräften nach wie vor der Zustand der Europäischen Union: Nach dem Referendum und dem Rücktritt Matteo Renzis in Italien sehen 92 Prozent der Top-Entscheider des „Capital-FAZ-Elite-Panels“ die EU in einer kritischen Lage. Die größte Gefahr für die wirtschaftliche Stabilität der Euro-Zone geht nach Meinung von 73 Prozent der Befragten von Italien aus. 88 Prozent – und damit zehn Prozentpunkte mehr als noch im Sommer 2016 – fürchten deshalb, dass die Fliehkräfte in der EU noch zunehmen werden.

Dagegen hat der britische EU-Austritt seinen Schrecken verloren. Die Schockwellen kurz nach dem Brexit-Beschluss sind einer deutlich gelasseneren Haltung gewichen. Heute rechnen noch 38 Prozent der Führungselite mit einem massiven wirtschaftlichen Schaden für Großbritannien, 53 Prozent mit einem begrenzten Schaden.

Zwei Drittel der Befragten spricht sich dafür aus, Großbritannien alle Vorteile der EU-Mitgliedschaft konsequent zu entziehen. Bei der Beurteilung der neuen Premierministerin Theresa May ist die Elite uneins: 39 Prozent haben keinen guten Eindruck von ihr, 35 Prozent einen guten und 26 Prozent sind unentschieden.

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