Capital-Podcast„Filme über Corona wird es erst in einigen Jahren geben“

„Der Fußball hat für die Filmebranche die Blaupause geliefert“, sagt Ufa-Chef Nico HofmannPR

Er verantwortete Produktionen wie „Der Tunnel“, „Die Flucht, „Unsere Mütter, unsere Väter“, Ku‘damm 56 oder „Charité“. Er stand hinter Filmen wie „Der Junge muss an die frische Luft“ – der Verfilmung der Biografie von Hape Kerkeling – oder „Ich bin dann mal weg“ oder „Der Medicus“. Die Rede ist von Nico Hofmann, einem der wichtigsten Produzenten, Regisseure und Drehbuchschreiber des Landes. Der Shutdown hat auch die Filmbranche getroffen, weil überall auf der Welt Drehs gestoppt werden mussten – allein Hofmann musste sechs Produktionen unterbrechen.

Seit einigen Wochen geht es allerdings wieder los, mit strengen Hygienevorschriften – und interessanterweise war die Bundesliga ein Vorbild. „Der Fußball hat uns die Blaupause geliefert“, erzählte Nico Hofmann in dem Podcast „Die Stunde Null“ (Capital, Stern, n-tv). Er habe sich dazu auch mit dem Chef der DFL, Christian Seifert, mehrmals ausgetauscht. Mit strengen Hygienevorschriften wurden die Produktionen aufgenommen. „Wir haben in Rekordzeit innerhalb von 14 Tagen die Arbeitsschutzrichtlinien verabschieden können, die Dreharbeiten wieder möglich machen.“

Bei Produktionen im Studio etwa für RTL gibt es nun eine strenge Trennung zwischen Technik und Schauspielern, dazu Mundschutz, Fiebermessung und einen strengen Mindestabstand. Bei Filmen und Mehrteilern müssen ganze Gruppen von Schauspielern, vor allem in Hauptrollen, Quarantäneregeln einhalten wie im Fußball und sich testen lassen. „Um es ganz simpel zu sagen: Wenn geküsst wird und es körperliche Nähe gibt und sie sich mehrfach begegnen, wird es so gemacht“, sagte Hofmann, der seit 2015 steht er an der Spitze der Produktionsgesellschaft Ufa steht.

Solidarität zwischen Produzenten und Sendern in der Krise

Die Filmbranche hat zweischneidige Erfahrungen im Shutdown gemacht: Einerseits wurden die Drehs unterbrochen, was zu hohe Kosten führt, auf der anderen Seite gab es eine starke Nachfrage nach den Filmen und Serien. „Die Zugriffsraten waren exorbitant hoch“, berichtet Hofmann. Allein die Serie „Unsere wunderbaren Jahre“ sei in der Mediathek knapp elf Millionen Mal abgerufen worden. „Das sind schon gigantische Zahlen.“ Auch er selbst habe während des Shutdowns so viel Amazon Prime, Netflix und TV Now geschaut „wie noch nie zuvor, auch nachts“.

Hofmann berichtet, dass es während der Krise eine große Solidarität gegeben habe zwischen Produzenten und Sendern. Auch die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsministerium sei hervorragend gewesen, innerhalb kurzer Zeit hätte man für die vielen Selbstständigen in der Filmbranche Regeln für die Kurzarbeit gefunden.

Spielt das Thema Corona für den Filmstoff denn schon eine Rolle? Zumindest für die täglichen Serien wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder „Unter uns“ könnte das bald der Fall sein. „Ich bin mir sicher, dass bei den täglichen Serien Corona in den kommenden Wochen eine Rolle spielen muss, da wird man in den Drehbüchern nicht drum herumkommen“, erwartet Hofmann. Bei Filmen müsse man allerdings noch sechs bis sieben Jahre warten. Als Beispiel nannte er die Serie „Bad Banks“, die erst ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise erschien. Das komplette Interview hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null – Deutschlands Weg aus der Krise“.


Der Corona-Schock hat Deutschland und die ganze Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Aber was macht diese Krise so besonders? Wie verändert sie unser Leben? Und welche Auswege gibt es? Im neuen Podcast „Die Stunde Null – Deutschlands Weg aus der Krise“ spricht Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar mit Menschen, die die Corona-Krise und ihre wirtschaftlichen Folgen hautnah erleben.

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