Trump-RedeDarth Vader war nicht in Davos

Seite: 2 von 2

Nicht immer drang diese Botschaft authentisch durch. Das konnte man am Tag zuvor auch bei anderen US-Ministern erleben, etwa bei Wilbur Ross. Manchmal hat man ja den Eindruck, der US-Handelsminister glaube, immer noch mit Preußen zu verhandeln. Nicht nur, weil der 80-Jährige seltsam aus der Zeit gefallen scheint. Ein Pressebriefing mit ihm und Finanzminister Steven Mnuchin gehörte zu den bizarrsten Veranstaltungen, die ich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erlebt habe.

Auf den ersten Blick eine normale Pressekonferenz, voller Raum, und dann kommen beide, eingerahmt von zwei Begleitern und Scaramucci-Verschnitten, halb Leibwächter,  halb Pressesprecher, die keine Miene verziehen und in kurzen knappen Kommandos die Spielregeln erläutern: ohne Kamera, keine Fotos, kurze Fragen, nur eine Frage, ansonsten „on the record“, kein Lächeln.

Es ist Handelskrieg

Steve Mnuchin legt los wie ein Sprechroboter, und verheddert sich doch in einem Dollar-Satz, der die Leitwährung auf Talfahrt schickt. Die Fragerunde erinnert an eine dieser White-House-Briefings in Netflix-Serien, mit hektischen Armen, kurzen Fragen und gepressten Antworten. Dann eine Frage zum Handelskrieg, und Ross sagt, Handelskriege gebe es dauernd, praktisch jeden Tag und schon eine Weile – nur dass die Amerikaner „jetzt die Festungen hochklettern“.

Es ist also Krieg. Aber, schränkt Mnuchin ein, dass müsse nicht nur zum Wohle Amerikas geschehen, und so präzisiert er die Formel „America First“: Amerika zuerst, aber das könne (oder werde) eine Win-Win-Situation sein – was den USA nutze, sei gut für die Welt. Es gibt ja die These, dass Amerika-zuerst gar nicht neu sei, und die USA sich schon immer an die erste Stelle gesetzt hätten. Nur kleiden sie das nicht mehr in wohlige Worte der Kooperation.

In China lebt die größte Mittelschicht

Interessant ist dabei auch eine andere Beobachtung: Seit geraumer Zeit schon wird das Weltwirtschaftsforum von den Amerikanern dominiert, klar, je größer der Anteil an der globalen Macht und Wertschöpfung desto größer die Aufmerksamkeit. Es war in einer kleinen Runde von Wirtschaftsnobelpreisträgern, in der in diesem Jahr daran erinnert wurde, dass die Welt nicht nur aus den USA bestehe – und das Narrativ der Abgehängten, der galoppierenden Ungleichheit und der zerbrochenen Mittelklasse für andere Gegenden auf dem Erdball nicht oder nur eingeschränkt gelte.

Auf einem andern Panel mit Mnuchin, auf dem auch IWF-Chefin Christine Lagarde, Blackrock-Chef Larry Fink und Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner saßen, war es eine junge Professorin der London School of Economics, Jin Keyu, die „das neue Paradigma“ ausrief:  Schließlich lebe die größte Mittelschicht der Welt inzwischen in China, und darauf sei die Welt nicht vorbereitet. Wenn China sich wirklich einmal öffne, würde das eine ganz neue Volatilität bringen. Das heißt: Man darf sich auf internationalen Foren nicht nur auf die abgehängte US-Mittelschicht stürzen – und darauf die globalen Wirtschaftsnarrative bauen. Sondern man muss die ganze Welt im Blick haben.

Amerika war präsent wie nie in Davos, aber es fühlte sich anders an – angespannt, kühl, manchmal bleiern. Man ahnte: Das „America First“ hat gerade erst begonnen.