PodcastThyssenkrupp-Chefin Merz: „Jeder will doch eine grüne Zukunft“

Martina Merz
Martina Merz ist seit Oktober 2019 Thyssenkrupp-Chefin. Ihr bleibt nicht viel Zeit, um den Industriekonzern flott zu machenGetty Images

CO2-Emissionen sind nach Umsatz, Gewinn und Aktienkurs eine der wichtigsten Kennziffern in Unternehmen geworden, vor allem in der Industrie, wo viel emittiert, wird: in der Chemiebranche, beim Maschinenbau – und der Stahlproduktion. Allein die Stahlsparte von ThyssenKrupp steht für ein Viertel der Emissionen des Ruhrgebietes – rund 20 Millionen Tonnen CO2. Seit einige Zeit elektrisiert Zauberwort die Branche: grüner Stahl, bei dem Wasserstoff die Kohlehochöfen ersetzt. Aber der Umbau ist nicht einfach und er wird viel Geld verschlingen.

Martina Merz, seit 2019 Chefin von Thyssenkrupp, gibt sich dennoch optimistisch: „Thyssenkrupp ist einer der Spieler, der gute Voraussetzungen hat“, sagte Merz im Podcast „Die Stunde Null“. Die Essener könnten „Vorreiter und Vorbild“ sein. „Wenn wir einmal etwas auf hohe Temperatur bringen, dann tun wir das auf wenig Fläche bis zum Fertigprodukt“, sagte Merz. Anders gesagt: Die Standorte im Ruhrgebiet sind kompakt, man hat auf kleinem Raum einen großen Hebel. „Duisburg hat zudem einen Hafen, wir liegen quasi am Meer und können gut mit Wasserstoff aus aller Welt versorgt werden“, sagte Merz, die zuvor den Aufsichtsrat des Konzerns geleitet hatte.

Solche Transformationen sorgen natürlich für Ängste. Merz aber glaubt, dass viele Mitarbeiter mitziehen. „Jeder will das Gefühl haben, für mich gibt‘s eine Zukunft – und eine grüne Zukunft“, sagte die Thyssenkrupp-Chefin, die seit 26 Jahren auch Mitglied bei Greenpeace ist. „Die Mitarbeiter wollen heute bei Unternehmen arbeiten, die sichere Arbeitsplätze bieten – aber auch saubere Arbeitsplätze, und die Produkte für die Zukunft herstellen.“

„Eine Industrieregion ohne Stahlproduktion ist für mich nicht vorstellbar“

Martina Merz

Die Umstellung wird nicht leicht – die Wasserstofftechnologie ist zwar vorhanden, aber Thyssenkrupp muss Milliarden investieren und braucht großen Mengen an Ökostrom. Allein für die Stahlproduktion bräuchte das Traditionsunternehmen 3200 eigene Windräder. Und: „Der Engpass ist tatsächlich die Verfügbarkeit an Wasserstoff“, sagte Merz. Die Managerin wählte einen Vergleich. „Hier im Ruhrgebiet kennt jeder das Kulturdenkmal Gasometer in Oberhausen, einen 117 Meter hohen ehemaligen Gastank mit einem Durchmesser von knapp 68 Metern. Den müssten wir zweimal pro Stunde mit Wasserstoff füllen, um klimaneutral zu produzieren“, sagte Merz. „Pro Jahr kommen acht Milliarden Kubikmeter zusammen, den wir zu wettbewerbsfähigen Preisen benötigen“.

Die Umbau Richtung Klimaneutralität trifft Thyssenkrupp mitten in der Restrukturierung – und in einer Phase, in der die einstige Industrie-Ikone einen Befreiungsschlag für das Stahlgeschäft sucht. Eine Subvention von grünem Stahl durch den Staat kommt also für Thyssenkrupp wie gerufen.

Ein Rettungsboot sei das Ganze aber nicht. Stahl sei ein Grundstoff jeder Wirtschaft, sagte Merz. „Eine Industrieregion ohne Stahlproduktion ist für mich nicht vorstellbar.“ Gleichzeitig forderte Merz, müsse der Staat verhindern, dass billig produzierter „schmutziger“ Stahl aus dem Ausland auf den Markt drängt – „durch Zölle, durch Grenzmechanismen, die sich auf den Preise auswirken.“ Im Gegenzug müsse man auch verhindern, dass Produktion in Länder abwandert, wo die Produkte dann „schmutziger hergestellt“ würden.

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“,

  • wie die Produktion von „grünen Stahl“ funktioniert,
  • wie weiter Thyssenkrupp beim Konzernumbau ist,
  • warum Martina Merz vor allem Biografien liest – und warum sie um 5 Uhr schon E-Mails verschickt.

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