WiedervorlageGesetze im Test: Abwrackprämie

Altfahrzeuge sind im Hochregalfahrzeuglager der Autoverwertung Berk in Berlin gestapelt
Altfahrzeuge sind im Hochregalfahrzeuglager der Autoverwertung Berk in Berlin gestapelt
© dpa

„Als konjunktur- und umweltpolitisches Programm (…) können private Autohalter eine Umweltprämie beantragen, wenn ein mindestens neun Jahre altes Altfahrzeug (…) verschrottet (…) wird.“ Gesetz zur Sicherung von Beschäftigung und Stabilität in Deutschland vom 2. März 2009


Derzeit werden viele abgewogene Betrachtungen über die ökonomischen Vor- und Nachteile von „Helikoptergeld“ angestellt. Dabei möchte man als Konsument Herrn Draghi einfach nur zurufen: Ja! Lass es Geld regnen!

Dass die Deutschen bereit sind, geschenktes Geld auszugeben, haben sie bereits 2009 bewiesen. Um den Konjunktureinbruch nach der globalen Finanzkrise zu stoppen, legte die Bundesregierung damals ein Milliarden-Programm auf. Darin enthalten: die Abwrackprämie. Wer seine mindestens neun Jahre alte Kiste verschrottete, bekam vom Staat 2500 Euro für den Kauf eines Neuwagens dazu. 3,8 Millionen Autos holten sich die Deutschen daraufhin 2009, knapp 25 Prozent mehr als im Vorjahr.

Teure Subvention auf Kosten der Steuerzahler

Und schon im Jahr darauf wuchs die Wirtschaft wieder um satte 4,1 Prozent. War also endlich die ökonomische Wunderwaffe entdeckt worden?

Eher nicht. Das Programm mag eine schmale Brücke in bessere konjunkturelle Zeiten geschlagen haben, doch den Steuerzahler kam der Übergang sehr, sehr teuer: 5 Mrd. Euro gab die Bundesregierung für die Subvention aus – wie hoch jedoch der tatsächliche Netto-Effekt für die Konjunktur war, hat keiner errechnet. Die Autobranche profitierte, aber vor allem auch ausländische Hersteller. Und während die Verbraucher wie wild Autos kauften, schränkten sie ihre Ausgaben an anderer Stelle ein: Vor allem bei kurzlebigen Wirtschaftsgütern brach die Nachfrage ein. Schlussendlich: Es wurden massenhaft Autos verschrottet, die noch fahrbereit waren – eine volkswirtschaftliche Verschwendung von Vermögen. Nicht einmal der erhoffte Wandel zum kleineren, umweltfreundlicheren Wagen gelang dauerhaft. Seit 2010 steigt die durchschnittliche PS-Zahl der Neuwagen wieder Jahr für Jahr.

So gesehen wäre Helikoptergeld wohl die bessere Option – jeder Verbraucher kann kaufen, was er will, und Steuergeld kostet ein EZB-Manöver auch nicht. Allerdings kommt einem die Idee vom Geldregen seltsam bekannt vor. „Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel und waren lauter harte, blinkende Taler“, berichteten einst die Brüder Grimm. „Da sammelte es die Taler hinein und war reich für sein Lebtag. Das war das Märchen vom Sterntaler.“

Testurteil: Mangelhaft