FinanzevolutionIT-Riesen mischen Finanzbusiness auf

Seite: 2 von 2

Amazon und Google nutzen ebenfalls ihre starke Marktposition, um weiter im Finanzbusiness mitzumischen. Amazon bietet seinen Geschäftskunden Kredite zwischen 1000 und 600.000 Dollar an. Dem Unternehmen geht es dabei nicht darum, Banken Konkurrenz zu machen, sondern das eigene Geschäftsmodell zu stärken.

Google hatte einst ein ähnliches Programm (siehe dazu Google und Amazon machen Banken mit Krediten Konkurrenz), hat dies aber offenbar eingestellt. Stattdessen ist der Suchmaschinenriese eine Partnerschaft mit der größten US-Kreditbörse Lending Club eingegangen. Sie haben ein Pilotprogramm gestartet, um kleinen Geschäftskunden von Google schnelle und bequeme Finanzierungen zu ermöglichen. Interessant daran ist, dass dafür zwar die Plattform von Lending Club genutzt wird, Google aber das Geld für die Finanzierung gibt und nicht die anderen Geldgeber wie Privatpersonen oder Hedgefonds.

Wird Apple Pay zur Gefahr für Banken?

Interessant wird es auch werden, wenn Apple sein Pay-System ausweitet. Als Apple Pay eingeführt wurde, war ich enttäuscht, weil Apple keine Funktion für Peer-to-Peer-Zahlungen anbietet, also direkten Zahlungen zwischen verschiedenen Pay-Nutzern. Ich kam daher im September vergangenen Jahres zum Schluss, dass Apple Pay vorerst gefahrlos für Banken sei. Das könnte sich nun ändern. Apple Pay wird sicher nicht allein auf die Bezahlung am Point of Sale und im E-Commerce beschränkt bleiben, zumal die Transaktionszahlen wohl noch deutlich unter den Erwartungen liegen dürften.

Der US-Blog „Patently Apple“, der regelmäßig über die öffentlich verfügbaren Patentanmeldungen von Apple berichtet, wies jüngst auf ein Patent für P2P Finanztransaktionen hin. Das Patentdokument enthält eine Grafik mit einer detaillierten Prozessdarstellung. Cashys Blog fasst das so zusammen:

„Das ganze System funktioniert eigentlich wie AirDrop, nur dass Geld anstatt Dateien gesendet wird. Der Vorgang läuft dabei recht unkompliziert ab. Initiiert wird er von der Person, die Geld senden möchte. Zuerst wird der Empfänger ausgewählt – angezeigt werden alle möglichen Empfangsgeräte in der Nähe. Danach wählt man den Betrag aus, den man senden möchte. Bevor die Zahlung dann letztendlich veranlasst wird, muss sich der Nutzer noch authentifizieren, falls dies nicht schon im Vorfeld geschehen ist. Erst dann wird die Zahlung ausgelöst.“

So können Zahlungen direkt von iPhone zu iPhone durchgeführt werden. Das kommt nicht ganz überraschend, denn schon in den letzten Jahren hatte Apple jede Menge Patente angemeldet, die deutlich über das Funktionsspektrum der aktuellen Fassung von Apple Pay hinausgehen. Ob und wann man davon etwas in der Praxis sehen wird, ist derzeit noch offen.

Wie gesagt, das von manchen erhoffte Ziel ist hier nicht, den Finanzsektor aufzumischen. Das dürfte den Googles, Amazons und Apples vollkommen egal sein. Aber sie wollen Kunden und Geschäftspartner an ihre Ökosysteme binden. Wenn das nebenbei die Banken schmerzt, gehört das halt dazu. Freilich brauchen auch die großen FinTechs bisher noch das Bankensystem für die Abwicklung der Transaktionen. Die Frage ist aber, wie lange noch?

Weitere Kolumnen von Dirk Elsner, die er für die inzwischen eingestellte deutsche Ausgabe des „Wall Street Journal“ geschrieben hat, finden Sie auf seiner Übersichtsseite