Business as UsualTeams brauchen Anerkennung


Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Sehr anstrengend sei das gesamte letzte Jahr gewesen, sagten Markus und Andrew direkt frei heraus: „Wahrlich kein Spaziergang.“ Markus ist ein eher introvertierter, sehr analytischer Typ, Andrew visionär und zielstrebig – beide etwa Mitte 30. Vor gut vier Jahren haben sie ein Unternehmen gegründet und dieses nun nach langen, zähen Verhandlungen verkauft.

Und als alles in trockenen Tüchern war, haben sie ihre gesamte Mannschaft als Dank für die letzten Monate zu einem Firmen-Retreat eingeladen. Auf meinen Kommentar, dass das sicher ein besonders schöner Abschluss dieser anstrengenden Zeit gewesen sei, verdunkelten sich die Mienen: Das komplette Gegenteil sei der Fall gewesen – nachdem am Abend die eine oder andere Flasche geleert worden war, fegte ein wahrer Shitstorm über die beiden. Und zwar nicht nur von einem, sondern gleich von mehreren Mitarbeitern, die ihrem Unmut über die Unternehmensführung der letzten Monate und die Behandlung des Teams deutlich Luft gemacht haben. Damit hatten die zwei nicht gerechnet.

Ist es an der Zeit, etwas zurückzugeben?

Capital 10/2016
Die aktuelle Capital

Was war passiert? In dem hohen Anspruch der Gründer sowie dem Druck, mit geringen Mitteln ein Unternehmen aufzubauen, haben die beiden ihrem Team eine Menge abverlangt: ein extrem hohes Engagement, lange Tage sowie die Verfügbarkeit am Wochenende. Und immer, wenn gerade ein wichtiger Meilenstein erreicht war, habe man sich sofort auf den nächsten konzentriert. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Zeit zum Verschnaufen? Fehlanzeige. Das, was die Mitarbeiter aber am meisten gestört hat, war die Tatsache, dass zu keinem Zeitpunkt das Erreichte gewürdigt wurde. Das konnten die beiden auch nicht mit einem großzügigen Event „am Ende“ wiedergutmachen. Und haben dort entsprechend die Quittung erhalten.

Die Moral von der Geschichte? Wenn hart gearbeitet wird, braucht es ein Gegengewicht. Aufmerksamkeit und Wertschätzung seitens der Führungsmannschaft als Minimalanforderung, zunehmend aber eben auch die gemeinsame Zeit außerhalb des Büros: Grillen, Kartfahren, ein Bowlingabend oder was auch immer in Ihrem Kontext angemessen ist – das Angebot ist vielfältig. Und zwar nicht als Alibi, sondern so, dass Ihre Mitarbeiter spüren, dass es wirklich um sie geht.

Also, schauen Sie bei sich mal nach: Was haben Sie Ihrem Team in den letzten zwölf Monaten abverlangt? Ist es vielleicht an der Zeit, etwas zurückzugeben?

Markus und Andrew haben sich – obwohl es ihnen extrem schwergefallen ist – später vor ihr Team gestellt und sich für das Feedback bedankt. Und mit dem Team geteilt, was sie für sich daraus gelernt haben. Der gute, alte Gang nach Canossa. Er kann die Vergangenheit nicht heilen, aber auf menschlicher Ebene die Augenhöhe wiederherstellen.

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