LesestoffAlles auf Zucker

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Südzucker-Interessen über Rübenbauer-Interessen?

Wir verabschieden uns. War der letzte Termin. Ich fahre durch den Kraichgau und zweifle sehr, dass die Rübenbauer es fertigbringen, ihre Südzucker-Interessen über ihre Rübenbauer-Interessen zu stellen. Sie werden sich weiter hohe Mindestpreise gönnen. Zu hohe vielleicht.

Tage später wird der Südzucker-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Heer noch eine Antwort auf die Frage schicken, ob es weiter feste Rübenpreise geben wird: „Gemeinsam mit unseren Anbauern suchen wir derzeit nach Vertragssystemen, die mit den zukünftigen Schwankungen vereinbar sind.“ Die Standardfloskel.

Der Kraichgau zwischen Eppingen und Mühlbach. Da, die Kurve. Hier war das. Die vier Anhänger damals, die Rübenberge. Es ist noch längst nicht Winter, noch sieht’s nicht aus wie ein Breughel-Gemälde. Ich wende an der Feldwegmündung, parke, suche die Oldie-CD. Wie früher. „Sugar, Sugar – You Are My Candy Girl“, was für ein Mitgröl-Hammer. „Pour Your Sweetness Over Me, Oh oh oh Sugar“. An Rübengeruch erinnere ich mich immer noch nicht.

Morgen zurück nach Hamburg. Werde meinen Sohn anrufen, erzählen, warum wir ihn, als er laufen lernte, Rübe nannten. Und darüber nachdenken, ob ich meine Südzucker-Aktien verkaufen soll.

Der Beitrag ist zuerst in Capital 12/2015 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon