FinanzevolutionStreit um FinTech‑Regulierung

Seite: 2 von 2

FinTechs nehmen Regulierung ernst

Sehr interessant fand ich Wenzlaffs Hinweise darauf, dass in Frankreich, den Niederlanden und in Großbritannien sowohl Banken als auch Bankenverbände dafür eintreten, dass FinTechs Ausnahmetatbestände genießen, die ihnen erlauben, im Markt zu wachsen (siehe dazu auch diesen Beitrag von Meike Schreiber für die Süddeutsche). Auf diese innovationsfreundliche Standortpolitik wies übrigens auch der Bankenverband hin und fordert: “Diese Innovationen sollten nicht voreilig behindert werden.”

Während der Bankenverband etwa zu der Frage, ob Kreditplattformen reguliert werden müssten, explizit fordert, die sich jetzt am Markt etablierenden innovativen Anbieter nicht zu früh zu strikt zu regulieren, fordert der Sparkassenverband, diese Plattformen zumindest als Kreditvermittler zu beurteilen und sicherzustellen, dass alle geltenden Verbraucherschutzbestimmungen im Kreditbereich Anwendung finden. Daneben erwecken Äußerungen zur Umsetzung der europäische Zahlungsdiensterichtlinie PSD II, die den Markt für FinTechs ein Stück weit öffnet (siehe dazu z.B: Bankstil “Wie PSD II das Geschäftsmodell der Banken unterminiert”) den Eindruck, man setze darauf, dass die European Banking Authority (EBA) mit den auf Basis der Richtlinie zu setzenden technischen Standards diese Öffnung wieder einschränkt.

Spricht man mit FinTechs, dann haben sie sich mittlerweile in der Regulierung eingerichtet. Sie nehmen die Vorschriften ernst und versuchen selbst den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden. Dazu besorgen sie sich entsprechende Lizenzen oder arbeiten für die Regulatorik mit einer Bank zusammen. Sie wünschen sich aber auch mehr beratende Unterstützung von den Aufsichtsbehörden.

Von Großbanken gehen größere Gefahren aus

Ich kann derzeit nicht erkennen, dass von FinTechs ein Risiko für die Finanzmarktstabilität ausgeht. Vielleicht bietet die Digitalisierung sogar eine Chance, die Risiken für die Finanzmarktstabilität zu reduzieren, weil Finanzdienstleistungen auf wesentlich höhere Zahl von Unternehmen verteilt werden. Der Ausfall einiger kleinerer Einheiten hat jedenfalls geringere Auswirkungen, als die Schieflage einer großen Bank.

FinTechs selbst sehen die regulatorischen Anforderungen als eine der größten Herausforderungen. Ich bin sehr gespannt, wie die britische Finanzaufsicht Financial Conduct Authority (FCA) ihren Plan einer regulatorischen Sandbox gestaltet. Ich jedenfalls würde für eine radikale Vereinfachung der Finanzmarktregulierung plädieren und mich eher an Konzepte halten, wie sie etwa Martin Hellwig und Anat Admati in „Des Bankers neue Kleider“ vorschlagen. Leider hat über ihren Ansatz nie eine ernsthafte Auseinandersetzung stattgefunden.