Interview„Steuern sind schlecht“

Arthur Laffer
Arthur LafferGreg Kahn

Arthur Laffer ist ein gefragter Mann. Seit dem Wahlsieg Donald Trumps pendelt er regelmäßig von Nashville, Tennessee, in die Hauptstadt Washington. Zum Gespräch mit Capital hat er sein ökonomisches Handwerkszeug mitgebracht: einen dicken Ringordner mit vielen, vielen Grafiken. Immer wieder greift er in den drei Stunden Gespräch darauf zurück.

Herr Laffer, es ist fast ein halbes Jahrhundert her, dass Sie in einer Bar in Washington eine Grafik auf eine Serviette gemalt haben, die als Laffer-Kurve berühmt wurde. Nun fragt Sie die Regierung Trump um Rat. Was ist passiert?

Verrückt, nicht wahr? Es ist doch so: Wenn man jeden Fehler gemacht hat, setzt sich am Ende schließlich die Wahrheit durch. (lacht ironisch)

Und die Wahrheit ist, dass Steuersenkungen das Geheimrezept für eine blühende Wirtschaft sind?

Niedrige Steuersätze sind ein entscheidender Faktor. Was Sie brauchen, ist eine Flat Tax von sagen wir 15 Prozent auf einer breiten Basis. Damit setzen Sie eine Wachstumsmaschine in Gang. Anstatt eine Heerschar von Beratern zu beschäftigen, um Steuern zu vermeiden, würden die Unternehmer Leute einstellen, um bessere Produkte zu entwickeln, und mehr produzieren.

Viele interpretieren die Laffer-Kurve schlicht so: Steuersenkungen finanzieren sich von selbst.

(Laffer holt einen Ringhefter mit Grafiken heraus) Wenn die Wirtschaft wächst, wachsen auch die Steuereinnahmen. Und wenn die Steuersätze niedriger sind, geht das Wirtschaftswachstum hoch. Hört, hört! Damit nervt dieser Spinner aus Tennessee die Welt seit gefühlt Jahrhunderten. Dass Steuersenkungen die Einnahmen erhöhen. Und genau so ist es.


Die Kurve: Wenn der Staat die Steuern erhöht, nimmt er mehr ein – aber an einem bestimmten Punkt verkehrt sich das ins Gegenteil. Denn in der „prohibitiven Bandbreite“ hemmen hohe Steuern die Wirtschaftsaktivitäten, und der Staat verliert Einnahmen. Die Serviette, auf der der junge Ökonom Laffer diesen Zusammenhang skizzierte, liegt heute im National Museum of American History.


„Trump war meine Wahl als Präsident“

Also weg mit allen Steuern?

Steuern sind schlecht, einige sind schlechter als andere. Aber wir alle wissen, dass der Staat Einnahmen braucht. Also muss er Steuern auf die am wenigsten schädliche Weise erheben und Geld auf die bestmögliche Weise ausgeben. Die Regel lautet: Wenn der Schaden des letzten Dollar, den Sie aus Steuern einnehmen, größer ist als der Nutzen des letzten Dollar, den Sie ausgeben, dann stopp! Das ist Herrgott noch mal das richtige Maß an Regierung.

Und Donald Trump unterstützen Sie, weil er Steuern senken will?

(stöhnt auf) Trump war ganz klar meine Wahl als Präsident. Aber wir reden hier nicht über ein abstraktes Konzept. Es sind zwei Leute angetreten. Und da gab es für mich kein Überlegen. Wenn wir aufhören, die Wirtschaft herumzustoßen, wird sie sich erholen.

Was meinen Sie mit Herumstoßen?

Neue Steuern, neue Regulierung, neue Staatsausgaben, neue Zölle, neue Konjunkturpakete. Eine Geldpolitik, die es noch mehr vermasselt als das Quantitative Easing. Wer hat je von einem Armen gehört, der mit Geldausgeben reich geworden ist? Das ist das Dümmste, was mir untergekommen ist. Genau das haben sie getan. Es ist wie bei dem Mann, dem mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen wurde. Es fühlte sich richtig gut an, als es aufhörte.

Trump ist derjenige, der den Hammer in den Werkzeugkasten packt?

Seine Wirtschaftspolitik ist glaubwürdig. Er dereguliert. Und er bemüht sich, Obamacare loszuwerden.