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Energie Warum Benzin noch immer günstiger ist als Diesel

Die Preise an den Tankstellen sind zum 1. September wieder sprunghaft angestiegen. Grund dafür war das Auslaufen des Tankrabatts
Die Preise an den Tankstellen sind zum 1. September wieder sprunghaft angestiegen. Grund dafür war das Auslaufen des Tankrabatts
© IMAGO/Kirchner-Media
Viele Jahre war Diesel günstiger als Benzin. Seit einigen Monaten schon ist das anders. Der Tankrabatt hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Es gibt aber weitere Gründe

Schon vor dem Ende des Tankrabatts sind die Spritpreise an den Tankstellen wieder deutlich gestiegen. Die Nachfrage sei groß, berichten Tankstellenbetreiber. Viele Autofahrer wollen noch einmal volltanken, bevor der Fiskus wieder mit der vollen Energiesteuer zuschlägt. Manche brächten sogar Extra-Kanister zum Befüllen mit. Zugleich sei das Angebot begrenzt. Niedrigwasser auf den Schifffahrtsrouten, Überlastung der Schienenwege und der teilweise Ausfall einer Raffinerie in Österreich behindern der Branche zufolge den Nachschub. Zudem ist der Ölpreis zuletzt wieder etwas gestiegen und der Euro gegenüber dem Dollar gesunken.

Das alles kann jedoch nicht das für deutsche Autofahrer ungewohnte Phänomen erklären, dass der Dieselpreis seit einiger Zeit noch weit über dem für Super-Benzin liegt. Kurz vor Ende des Tankrabatts kostete ein Liter Diesel im Durchschnitt an deutschen Tankstellen 2,08 Euro und damit zum einen fast so viel wie vor Inkrafttreten des Tankrabatts und zum anderen 24 Cent mehr als ein Liter Super. Super-Benzin ist derzeit dagegen mit 1,84 Cent fast 40 Cent günstiger als kurz vor dem Tankrabatt.

Zu dieser unterschiedlichen Entwicklung trägt zum einen die Besteuerung bei. Vor Inkrafttreten des Tankrabatts wurde auf Benzin 65,45 Cent Energiesteuer pro Liter erhoben, auf Diesel aber nur 47,04 Cent. Mit diesem Dieselprivileg fördert Deutschland seit Jahrzehnten den Absatz von Dieselkraftstoff und der entsprechenden Autos. Diese umstrittene Ungleichbehandlung wurde im Rahmen des Tankrabatts weitgehend ausgeglichen. Für Benzin wurde die Energiesteuer um fast 30 Cent gesenkt, für Diesel nur um knapp 14 Cent. Es ist also damit zu rechnen, dass nach Ende des Tankrabatts der Benzinpreis stärker nach oben springen wird als der Dieselpreis und der ungewöhnliche, aktuelle Preisunterschied deutlich schrumpfen wird.

Heizöl nahe Rekordniveau

Das jahrzehntelang gewohnte Preisverhältnis von deutlich billigerem Diesel im Vergleich zum Super wird damit aber wohl nicht zurückkehren. Denn es gibt noch andere Faktoren, die Diesel- und Benzinpreis unterschiedlich beeinflussen. Das Verhältnis der Produktion verschiedener Treibstoffsorten und anderer Erzeugnisse aus einer bestimmten Menge Rohöl in einer Raffinerie ist nur begrenzt veränderbar. In Deutschland und Europa verbrauchen wir im Verhältnis zum Super deutlich mehr Diesel, als der Raffinierungsprozess zulässt. Diese Differenz wurde in der Vergangenheit zu einem erheblichen Teil durch Importe aus Russland gedeckt. Die sind in den vergangenen Monaten weitgehend weggefallen und nur schwer zu ersetzen.

Zudem wird Diesel nicht nur an Tankstellen nachgefragt. Aus Raffineriesicht ist das Produkt weitgehend identisch mit Heizöl (Dieselautos mit Heizöl zu betanken ist allerdings verboten und schädlich für den Motor), weswegen auch die Preisentwicklungen eng zusammenhängen. Und der Heizölpreis ist zuletzt wieder nahezu auf Rekordniveau geklettert. Angesichts der aktuellen Energiekrise füllen Besitzer von Ölheizungen ihre Tanks dieses Jahr offenbar früher und stärker als in der Vergangenheit. Zudem versucht die Industrie, wo es nur geht, Gas bei der Wärmeerzeugung durch Öl zu ersetzen.

Dieser Artikel ist zuerst auf n-tv.de erschienen.


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