ExklusivSoundcloud bietet Alex Jones' „Infowars“ weiter eine Plattform

„Infowars“-Moderator Alex Jones im Februar 2014Sean P. Anderson/Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Im Silicon Valley tobt – mal wieder – eine Debatte um den angemessenen Umgang mit Hassrede. Aktuell geht es um den Fall des rechtsgerichteten Moderators Alex Jones, der in seiner Sendung „Infowars“ irre Verschwörungstheorien verbreitet. Nachdem sie monatelang untätig blieben, sperrten in den letzten Tagen mehrere große Plattformen einzelne „Infowars“-Folgen oder schalteten den ganzen Kanal ab.

Den Anfang machte am Sonntag Apple, das mehrere Podcasts aus seiner iTunes-Bibliothek entfernte, zu Wochenbeginn folgten Facebook, YouTube und Spotify. Auch auf LinkedIn und Pinterest verschwanden „Infowars“-Inhalte. Eine Ausnahme stellte Twitter dar: CEO Jack Dorsey gab an, Jones sensationalisiere zwar oft Themen und verbreite „unbelegte Gerüchte“, er habe aber die Nutzungsregeln von Twitter nicht verletzt.

Bislang kaum beachtet war der Umstand, dass „Infowars“ auch eine Präsenz auf der Berliner Audioplattform Soundcloud unterhält. Diese ist zwar nicht aktuell – die letzten Inhalte wurden vor circa einem Jahr hochgeladen –, dennoch bietet sie Zugriff auf 111 einminütige Anreißer zu Jones‘ aberwitzigen und faktenfreien Theorien über Skandale, Komplotte und Verschwörungen. Mehr als 2.000 Nutzer haben den Kanal abonniert.

Ein Soundcloud-Sprecher erklärte gegenüber Capital, der „Infowars“-Account enthalte nur Ausschnitte von Podcast-Episoden. Diese habe man überprüft mit dem Ergebnis, dass sie die Nutzungsbedingungen der Plattform nicht verletzten. Diese würden ausschließlich Inhalte verbieten, „die Hass oder Gewalt propagieren oder dazu anstiften“.

Jones behauptet unter anderem, das Massaker an der Grundschule von Sandy Hook, bei dem vor sechs Jahren 26 Menschen starben, sei eine Erfindung der Regierung; er zweifelt die offizielle Version der Anschläge vom 11. September 2001 an; und er beschuldigt die Demokratische Partei, einen weltweiten Pädophilenring zu betreiben.

Aufgrund von Jones‘ Theorien erhalten Eltern, die ihre Kinder in dem Sandy-Hook-Massaker verloren haben, regelmäßig Anfeindungen und Todesdrohungen.

US-Präsident Donald Trump hat schon mehrfach Verschwörungstheorien von „Infowars“ verbreitet. Im Dezember 2015 war er via Videoschaltung sogar zu Gast in der Sendung, wo er Moderator Jones lobte: „Dein Ruf ist toll. Ich werde dich nicht im Stich lassen.“