KrisenhilfeSolidarität in Zeiten der Corona-Krise

United We Stream: Ein Konzert wird aus einem Berliner Club übertragenGetty Images

Long live the Block

Mit dem Ziel, Kunden und Geschäfte innerhalb ganz Deutschlands zu verbinden, rief die Werbeagentur Antoni die „Long live the Block“-Kampagne ins Leben. Was besonders für regionale Geschäfte und Stammrestaurants, -bars oder -cafés gedacht ist, soll die für viele dieser Läden existenzbedrohenden Folgen der Corona-Maßnahmen abfangen. Die Idee: Lokale Shops können sich auf der Webseite registrieren und Gutscheine für den eigenen Laden online anbieten. Kunden dieses Ladens können über die Seite dann Gutscheine für die Läden kaufen, die sie gern unterstützen wollen. Alle Shops erhalten dann direkt das Geld, was ihnen bei der Liquiditätssicherung hilft. Wenn in einigen Wochen die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus‘ wieder gelockert werden, können Kunden ihre Gutscheine in den Läden einlösen – oder es dabei belassen und die Initiative als Möglichkeit zur Spende sehen.

Der Service ist kostenlos für Shops und Kunden. Neben finanzieller Hilfe möchte die Initiative in Zeiten von Social Distancing außerdem den Gemeinschaftssinn und die Bindung zu lokalen Läden stärken.

Nebenan.de

2015 gründete Christian Vollmann die Plattform nebenan.de, heute ist sie mit eineinhalb Millionen Nutzern die größte Nachbarschaftsplattform in Deutschland. Was ursprünglich ein wenig Dorfgemeinschaft in die Großstadt bringen sollte, hilft heute, Menschen innerhalb eines Stadtviertels zu vernetzen und kennen zu lernen. Hier kann man seine Nachbarn unkompliziert nach Hilfe beim Renovieren fragen, ebendiese anbieten, nicht mehr benötigte Möbel oder Produkte verschenken oder Interessengruppen suchen.

Für die Corona-Hilfe schalten die Initiatoren nun eine gesonderte Seite zur Nachbarschaftshilfe in Virusbelangen. Angebote und Nachfragen sollen so möglichst effizient gebündelt werden, damit jeder schnelle Hilfe bekommt. Wer Hilfe braucht – etwa beim Einkaufen, im Haushalt oder für das Spazierengehen mit dem Hund – kann einfach die Hotline 0800/8665544 anrufen und dort Telefonnummer, Postleitzahl und die gewünschte Hilfeleistung hinterlassen. Im entsprechenden PLZ-Gebiet wird das Gesuch dann an addressverifizierte Nachbarn im Einzugsgebiet veröffentlicht, die umgehend zum Hilfesuchenden Kontakt aufnehmen können. „Ich freue mich sehr, dass wir in so kurzer Zeit mit vereinten Kräften nun eine zentrale Anlaufstelle für Hilfegesuche einrichten konnten, durch die Nachbarschaftshilfe für noch mehr Menschen zugänglich wird“, sagt Gründer Christian Vollmann.

Hackathon: #WirVSVirus

Die Bundesregierung rief in Kooperation mit sieben sozialen initiativen einen bundeweiten Hackathon aus. Bis zum 20. März konnten alle Bürger die ihrer Meinung nach drängensten Probleme und Herausforderungen der derzeitigen Situation unter wirvsvirushackathon.org einreichen. Zudem konnte sich jeder als Teilnehmer des daraufhin veranstalteten Hackathons eintragen lassen oder als Pate oder Mentor anbieten.

In den darauffolgenden 48 Stunden hieß es dann: Lösungen finden. In virtuellen Gruppen kamen sozial engagierte Bürger als auch Problemlöser aus der Kreativ- und Techbranche zusammen und arbeiteten an Lösungsansätzen für die Gesellschaft. Mehr als 40.000 Teilnehmer entwickelten dabei zusammen Ideen zur Entlastung von Krankenhäusern, für die Organisation von Corona-Tests und für ein optimiertes Infektionstracking. Welche der entstanden Projekte schlussendlich eine Förderung erhalten, wird eine Jury entscheiden.

Coronaport

Noch in den Kinderschuhen steckt Coronaport.net, ein Bürgerportal zur Coronahilfe. Der 15-jährige Noah Adler hatte die Idee, hilfsbereite Menschen und Hilfsbedürftige unkompliziert zusammenzubringen und kreierte innerhalb von nur zwei Tagen die Webseite. Wer helfen möchte, kann sich innerhalb seines Stadtgebiets mit den Aufgaben, die er zu übernehmen bereit ist, eintragen. Dabei gibt er seine Kontaktdaten direkt an, so dass Hilfsbedürftige den Kontakt schnell aufnehmen können. Schwerpunkte liegen neben klassischen Angeboten wie Einkaufshilfe auch auf Telefonaten bei Einsamkeit, körperlicher Arbeit oder der persönlichen Betreuung. Obwohl noch nicht lange online, registrierten sich schon Hunderte Menschen als Helfer auf Coronaport – und es werden mehr.

United we stream

Die Clubs des Landes treffen die Corona-Maßnahmen mit am härtesten. Gerade in Berlin, Deutschlands Techno- und Feierhochburg, trifft das viele: Allein hier sind gut 9000 Menschen in der Clubszene beschäftigt, die mit der Schließung der Clubs ihre Beschäftigung verloren haben. Hinzu kommen zahlreiche Freiberufler. Gemeinsam ziehen sie pro Jahr über drei Millionen Touristen auf die Tanzflächen der Hauptstadt. Anfallende Fixkosten machen es den meisten Clubs jedoch unmöglich, sich mit den schmalen Reserven länger als einen Monat Schließung zu halten, viele meldeten schon jetzt Insolvenz an.

Deshalb haben sich in „United we stream“ Clubs, Veranstalter und Künstler zusammengetan. Auf der Streamingplattform laufen seit dem 18. März jeden Abend Sets aus den angesagtesten Clubs der Hauptstadt – nur tanzt das Publikum nicht vorm Pult, sondern in den eigenen vier Wänden. Streamen kann die Sets jeder, Spenden laufen auf freiwilliger Basis. Vorträge und Gesprächsrunden rund um die Clubkultur ergänzen das Programm.

Die Einnahmen sollen als Spende an die unter der Corona-Quarantäne leidenden Clubs und Künstler ausgezahlt werden. Acht Prozent der Einnahmen kommen außerdem dem Stiftungsfonds Zivile Seenotrettung zugute, der die Seenotrettung im Mittelmeer unterstützt.

Die Initiative läuft in Koooperation mit Arte und dem Radiosender Radioeins. Beide Kanäle werden die Sets ebenfalls ausstrahlen.

Trigema

Der Bekleidungshersteller Trigema aus Burladingen, Baden-Württemberg, kündigte an, seine Produktion von Sport- und Freizeitkleidung auf Gesichtsmasken für Ärzte und medizinisches Personal umzustellen. Durch die Schließungen im Einzelhandel sei der Bedarf an Kleidung gerade ohnehin auf ein Minimum geschrumpft, rund 50 Prozent des Absatzes sei weggebrochen. Die Produktionskapazität kann nun also sinnvoller genutzt werden. Trigema-Chef Wolfgang Grupp ließ bereits letzte Woche probeweise Schnittmuster nähen, die den Anforderungen für medizinischen Gebrauch entsprachen und jetzt im großen Stil produziert werden sollen. Die vorhandenen Kapazitäten will Grupp so gut es geht erweitern, um künftig bis zu 100.000 Masken pro Woche herzustellen.

Trigema ist nicht der einzige Bekleidungshersteller, dem die Idee zur Produktionsumstellung kam. Auch Mey, ein ebenfalls in Baden-Württemberg ansässiger Wäschehersteller, kündigte an, seine Produktion umzustellen und Masken anzufertigen. Eterna, ein bayrischer Hemdenhersteller zieht ebenfalls mit. Das Ziel: Die Fertigung von 25.000 Masken pro Tag. Die Mitarbeiter müssen so nicht nicht Kurzarbeit geschickt werden.