Masayoshi SonSoftbank - der Fall eines Superstars

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Sicher ist: Das Vision-Fund-Portfolio wird von nun an unter noch schärferer Beobachtung stehen. We Work ist nicht das einzige Sorgenkind: So soll die Hundesitter-App Wag zu einer deutlich verringerten Bewertung zum Verkauf stehen; beim Leasing-Start-up Fair mussten 40 Prozent der Mitarbeiter gehen; und bei den ganz großen Wetten wie Didi Chuxing oder dem koreanischen Amazon-Rivalen Coupang erweist sich der Weg in die schwarzen Zahlen als schwierig.

Eine gute Woche nach seinem denkwürdigen Auftritt auf der Investmentkonferenz in Riad trat Masayoshi Son in Tokio wieder an die Öffentlichkeit, um seine Quartalszahlen zu präsentieren. Zum ersten Mal seit 14 Jahren verdiente Softbank in einem Quartal kein Geld. Im Gegenteil: Das We-Work-Desaster bewirkte Verluste von 8,9 Mrd. Dollar.

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Son gab sich geläutert. „Ich habe eine schlechte Investment­entscheidung getroffen, und ich bin sehr reumütig.“ Dann schob er nach: „Aber es gibt keine Änderung meiner Strategie oder meiner Vision.“

Die große Frage ist, ob seine Geldgeber zu ihm halten werden. Die Anzeichen sind vorsichtig positiv. Aus Kreisen der Mubadala Investment Company, dem Staatsfonds Abu Dhabis (Vereinigte Arabische Emirate), ist zu hören, dass man sich vermutlich auch dem zweiten Vision Fund anschließen wird. Man habe vieles hinterfragt, heißt es, aber sei zu dem Schluss gelangt, dass We Work nur eines von 88 Investments sei. Tatsächlich ist die Gesamtbilanz des Fonds nicht schlecht. Insgesamt 37 Firmen werden von Softbank inzwischen höher bewertet, 22 wurden abgewertet.

Es gibt auch Start-ups, die von Son kein Geld bekommen. Ein deutscher Gründer, der die Chance hatte, sein Unternehmen der Investorenlegende vorzustellen, konnte sich anschließend mit dem Fonds nicht auf die Bedingungen einigen. Trotzdem sagt er heute, er sei noch immer ein Fan von „Masa“. Schließlich habe der eine Vision von 300 Jahren – da habe ein geplatzter Deal nicht viel zu bedeuten. Nicht mal einer wie We Work.

 


Der Beitrag ist in Capital 12/2019 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay