Masayoshi SonSoftbank - der Fall eines Superstars

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Sons Fußtrupp ist ein Team ehemaliger Deutschbanker um den in Indien geborenen Rajeev Misra. Der Mann, der Zigarillos liebt und Besucher im feinen Londoner Townhouse des Fonds auch mal barfuß begrüßt, war bei der Bank bis zur Finanzkrise zuständig für das boomende Geschäft mit Kreditderivaten. Noch immer konstruiert er mit Leidenschaft und Finesse unorthodoxe Finanzierungsinstrumente, die den Fonds und seine Portfoliofirmen flüssig halten. So sind 40 Prozent des Fondskapitals kreditähnliche Vorzugsaktien, für die ein Coupon von sieben Prozent fällig wird. Das ist ungewöhnlich im Risikokapitalgeschäft, wo Eigenkapital bevorzugt wird. Und es ist riskant, weil sich Erlöse – sprich Anteilsverkäufe – im Geschäft nicht verlässlich planen lassen.

Zwar erklärt Misra, ab 2020 jeden Monat zwei Unternehmen an die Börse bringen zu wollen. Aber erstens kann das der Fonds als Minderheitsinvestor meist gar nicht entscheiden, und zweitens kennt selbst Misra das Marktklima des nächsten Jahres nicht. Um den Coupon zu bedienen, nahm Misra Anfang des Jahres 3,5 Mrd. Dollar an Krediten auf und besicherte sie mit Uber- und Slack-Aktien. Softbank ist weiter ein hoch verschuldetes Unternehmen. Aber wer 26 Prozent an Alibaba hält, kann sich einiges erlauben.

Anspruch und Wirklichkeit

Beim Berliner Start-up Auto1 halfen Misra und Co., Working-Capital-Finanzierungen aufzustellen. So clever, sagen die Gründer, hätte das der eigene CFO nicht hinbekommen. Das Finanz-Know-how ist einer der Vorteile, mit dem der Fonds für sich wirbt. Ein weiterer sind die Synergien, die Portfoliofirmen untereinander bilden können: Uber und Doordash sollen etwa mit dem Parkplatzbetreiber Reef kooperieren. Ob das bei der Mehrzahl der Firmen Sinn ergibt, ist fraglich. Es sei „sehr inspirierend“ gewesen, sagt ein Gründer etwa über das jährliche Treffen der Portfolio-CEOs. Handfeste Deals schloss er aber nicht.

Es ist nicht das einzige Thema, bei dem Anspruch und Wirklichkeit des Vision Fund auseinanderklaffen. Die hohen Bewertungen seiner Start-ups rechtfertigt Son mit der Technologie, auf der ihre Geschäftsmodelle basieren. Doch wie sehr helfen Digitalwerkzeuge einem Unternehmen wie We Work wirklich dabei, die Auslastung seiner Gebäude hoch zu halten? Netzwerkeffekte, die digitalen Marktplatzmodellen die Skalierung erleichtern, fehlen ebenfalls. We Work, sagt Investor Christian Saller, sei „in erster Näherung ein Einzelfall“, weil es „katastrophale Governance“ rund um den größenwahnsinnigen Gründer Adam Neumann gegeben habe, über den selbst Son heute sagt, er habe „viele negative Aspekte“. Vor allem aber habe die Firma „kein skalierbares Technologiemodell“, das eine 47-Mrd.-Dollar-Bewertung auch nur im Ansatz gerechtfertigt hätte, so Saller.

Und damit sei We Work nicht allein. „Das ist der erste Dominostein“, sagt der Investor, „wir werden noch mehr solche Fälle sehen.“ Geldgeber würden „wieder genauer schauen, was die Technologiekom­ponente ist“. Auch Shmuel Chafets vom ­Berliner Risikokapitalgeber ­Target Global meint: „Geldgeber werden Bewertungen stärker hinterfragen. Der Weg zur Profitabilität wird wieder wichtiger.“

Realitätscheck

Einen „Realitätscheck“ nennt Julian Riedlbauer den We-Work-Crash. Er war gerade auf einer Investorenkonferenz in London. Dort, erzählt er, seien einige Geldgeber froh gewesen, dass Softbank mal einen Dämpfer bekommen habe. Denn: Deren Firmen seien „sehr aggressiv im Markt aufgetreten, haben sich so wenig um profitables Wirtschaften gesorgt, dass es für die Wettbewerber ohne Softbank-Funding sehr schwer war“.

Es mag sein, dass ein gewisses Umdenken einsetzen wird. An den herrschenden Marktkräften dürfte sich aber wenig ändern. We Work, sagt Chafets, habe „langfristig keinen substanziellen Einfluss auf den Markt“. Saller ergänzt: „Es ist viel Geld im Markt, das einer kleinen Zahl an spannenden Unternehmen hinterherläuft.“ Solange das globale Niedrigzinsumfeld für so hohe Liquidität an den Märkten sorgt, dürfte es weiter mehr als genug Geld für Start-up-Finanzierungen geben – auch wenn die Bewertungen etwas niedriger ausfallen könnten. Doch an globale Start-up-Verwerfungen glauben die Experten nicht.