Masayoshi SonSoftbank - der Fall eines Superstars

Seite: 2 von 4

Obwohl der Japaner beim Einstieg hart verhandelt, treibt das ­viele Geld die Bewertungen im ganzen Markt nach oben. Im Vision-Fund-Zeitalter sind Series-A-Finanzierungsrunden selbst in Europa nicht mehr 4, sondern 10 Mio. Dollar schwer, beobachtet Christian Saller von Holtzbrinck Ventures. Bei einer Series B, die früher typischerweise 10 Mio. Dollar umfasste, gebe es jetzt dreimal so viel Geld.

Son ist für Exzesse wie die 47-Mrd.-Dollar-Bewertung des hoch defizitären We Work verantwortlich, die inzwischen auf 8 Mrd. zusammengeschnurrt ist. Aber er hat sich auch bei vielen der derzeit spannendsten Start-ups der Welt eingekauft. Dass viele davon gut laufen, ist sein Meisterstück. Son hat die Venture-Capital-Elite an der Westküste der USA entmachtet. Die Entscheidungen über Gewinner und Verlierer der Tech-Branche werden jetzt in der Softbank-Zentrale in Tokio getroffen oder in „Masas“ 117,5-Mio.-Dollar-Villa im kalifornischen Woodside.

Er hat sich all das selbst erarbeitet. Son wächst auf in den bescheidenen Verhältnissen einer südkoreanischen Einwandererfamilie, die von der japanischen Mehrheitsgesellschaft geschnitten wird. Der Vater ist Kleinunternehmer, der junge „Masa“ will ebenfalls Geschäftsmann werden. Seine Vorbilder sind der Samurai Ryôma Sakamoto, einer der Wegbereiter der Modernisierung Japans im 19. Jahrhundert, und Den Fujita, der Herrscher über Japans McDonald’s-Franchise-Reich. Mit 16 reicht das Geld, um nach Kalifornien zu gehen. In Berkeley studiert Son Wirtschaft und Informatik. Er konzipiert einen Handheld, den er für 1 Mio. Dollar an Sharp verkauft. Die nächsten Millionen verdient er mit dem Import von Arcade-Spielen aus Japan. 1981 geht er zurück ins Heimatland und gründet Softbank, ursprünglich ein Softwarevertrieb. „Japans Bill Gates“ wird er genannt, obwohl er kein genialer Softwarearchitekt ist. Son ist ein Verkäufer, ein Dealmaker, ein „japanischer Zocker“, wie ihn die „New York Times“ 1995 nennt.

Immer wieder hat er den richtigen Riecher. Mitte der 90er-Jahre, als das Internet in den Kinderschuhen steckt, kauft er dem jungen Stanford-Absolventen Jerry Yang für mehr als 100 Mio. Dollar ein Drittel von dessen Firma Yahoo! ab. Es ist der Beginn einer spektakulären Investitionsserie. Ende der 90er-Jahre ist Sons Firmenreich 180 Mrd. Dollar wert. Dazu gehört ab 2000 auch eine kleine chinesische Website namens Alibaba. Für drei Tage, erzählt Son gerne, sei er der reichste Mensch der Welt gewesen. Dann aber platzt die Dotcom-Blase, und er verliert Milliarden. Schon damals ist das Softbank-Reich auf Pump gebaut, 1999 sitzt der Konzern auf dreimal so viel Schulden wie Eigenkapital.

Der 300-Jahres-Plan

Aber Son lässt sich von Rückschlägen nicht beirren. Softbank folge einem 300-Jahres-Plan, sagt er immer wieder. Der beruhe auf einer Grundüberzeugung: „Meine Philosophie ist, dass die digitale Revolution die Menschheit glücklicher und produktiver machen wird.“ Also verbreitert Son seinen Digitalkonzern: 2006 übernimmt er Vodafones Japan-Geschäft und stößt in den Markt der Telcos vor. Der US-Anbieter Sprint kommt 2013 für 22 Mrd. Dollar dazu, dann der britische Chipdesigner Arm für 32 Mrd. Dollar.

Mithilfe des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman stellt Son 2016 den gigantischen Vision Fund auf. Der soll den Weg ebnen in eine Zukunft, in der Roboter klüger sein werden als Menschen. In 30 Jahren soll es laut „Masa“ so weit sein. „Ich glaube wirklich, dass das kommen wird“, sagte er 2017, „deshalb bin ich in Eile.“