Masayoshi SonSoftbank - der Fall eines Superstars

Masayoshi Son, Investor sowie Gründer und CEO des Telekommunikations- und Medienkonzerns Softbank. Er ist der reichste Japaner, Vermögen laut Forbes: 26,3 Mrd. US-Dollar
Masayoshi Son, Investor sowie Gründer und CEO des Telekommunikations- und Medienkonzerns Softbank. Er ist der reichste Japaner, Vermögen laut Forbes: 26,3 Mrd. US-DollarGetty Images

Es war ein Mittwoch Ende Oktober, als Masayoshi Son auf einer Konferenzbühne in Riad langsam wegdämmerte. Beim jährlichen Investitionsforum des saudischen Königreichs sollte Son über „Lösungen für das Unlösbare“ sprechen. Es ging um Investoren und Gründer, die die Menschheit mit künstlicher Intelligenz und anderen Zukunftstechnologien zum Besseren verändern. Der 62-jährige Gründer und CEO des japanischen Technologiekonzerns Softbank, ein höflicher Mann, der bedächtig spricht und gern rote Pullover unterm grauen Anzug trägt, wird von seinen Anhängern „Masa“ genannt. Das Panel-Gespräch plätscherte vor sich hin, und „Masa“, das haben Fernsehkameras festgehalten, schloss für mindestens eine halbe Minute die Augen. Kurz bevor sein Kopf die Brust berührte, wachte er mit einem kleinen Ruck wieder auf.

Der Mann hat die Ruhe weg. Dabei müsste er sich eigentlich im Krisenmodus befinden, erst recht in der Heimat seines wichtigsten Geldgebers. Ganze 45 Mrd. Dollar hat der saudische Staatsfonds in den Vision Fund gesteckt, jenen knapp 100 Mrd. Dollar großen Kapitalstock, aus dem Son seit zwei Jahren Millionen und Milliarden an die schnellstwachsenden Start-ups der Welt verteilt. Seit eines der wichtigsten darunter, der Bürovermieter We Work, in eine existenzielle Krise gerutscht ist, gilt der ganze Fonds als angeschossen.

Bei wie vielen anderen Start-ups wurden zu luftige Bewertungen angesetzt? Kann 2020 der ähnlich groß geplante Nachfolgefonds aufgelegt werden? Spielen die Saudis wieder mit? Auf der Bühne in Riad kamen solche Fragen nicht zur Sprache. „Masa“ wurde zu seiner Arbeit mit Start-ups befragt, zu den Kriterien, nach denen er Gründer auswählt. „Sie müssen die stärkste Leidenschaft haben“, erklärte er. „Und wir, wir schaffen dann das Geld für die Schlacht herbei.“

Es ist das Muster, nach dem der Fonds arbeitet: Er stattet die digitalen Marktführer einer Branche mit gigantischen Kriegskassen aus. Er dreht sie, egal wie tief sie noch in den roten Zahlen stecken, auf maximales Wachstum, koste es, was es wolle. Er lässt sie einen Vernichtungskrieg gegen ihre Konkurrenten führen. Am Ende hat er ihren Wert vervielfacht, und der Fonds und seine Geldgeber profitieren. Das ist die Theorie.

Doch spätestens mit We Work hat sich gezeigt, dass die Praxis komplizierter ist. Dass man defizitäre Geschäftsmodelle nicht profitabel machen kann, indem man einfach mehr Geld drauf wirft. Und dass hohe Investmentsummen noch lange keine hohen Bewertungen rechtfertigen. Es habe „teilweise an die Zeiten des Neuen Markts erinnert“, sagt Julian Riedlbauer von der Tech-Investmentbank GP Bullhound. Also wieder eine Tech-Blase, die zu platzen droht? Noch deutet wenig darauf hin. Eines hat Son aber bereits geschafft: Er hat mit seinem Giga-Fonds die Gesetze der Start-up-Welt verändert.

Geld als Variable

In zwei Jahren hat der Vision Fund mehr als 70 Mrd. Dollar in 88 Firmen auf der ganzen Welt gesteckt. Für sie ist Geld nun keine Beschränkung mehr, sondern nur eine Varia­ble unter vielen. „Was wäre“, fragt der Vision-Fund-Manager Jeff Housenbold Gründer vor einem Investment, „wenn wir Kapital als Hemmnis beseitigen? Was würdest du über die nächsten drei, fünf, sieben oder zehn Jahre anders machen, wie würde es den Wert deiner Firma verändern?“

Im Risikokapitalgeschäft hat damit eine neue Zeitrechnung begonnen. Zum Vergleich: 2018 sammelte die gesamte Venture-Capital-Industrie der USA 53,9 Mrd. Dollar von Geldgebern ein. Der Vision Fund ist allein fast doppelt so groß. Son verteilt Tickets, die mindestens 100 Mio. Dollar umfassen. Früher hätten Firmen wie die Gebrauchtwagenplattform Auto1, die Hotelkette Oyo oder Didi Chuxing, das chinesische Uber, für solche Summen an die Börse gehen müssen. Jetzt kommen IPOs viel später.