Capital-History

Die großen BetrügerDieser Mann behauptete, Gold chemisch herstellen zu können

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Ein anderes Land

1931 begann der Prozess gegen den Gold-Gaukler: Sein Verteidiger Pestalozza versuchte, seinen Mandanten als Opfer einer Gruppe fanatisierter Nationalisten darzustellen. „Die Leute glaubten, mit ihrem Gold den Tribut ablösen zu können, den Deutschland zu zahlen hat“, so der Rechtsanwalt. Es sei nicht die Schuld seines Mandanten, wenn diese Sehnsucht auf ihn projiziert worden sei. Ein aussichtsloses Plädoyer. Tausend wurde zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Als der Betrüger das Gefängnis verließ, war Deutschland ein anderes Land. Adolf Hitler war Reichskanzler, und die Nationalsozialisten hatten die Macht übernommen. Tausend schlug sich mit kleineren Betrügereien durch und landete noch mehrere Male vor Gericht.

Ob er es noch einmal mit dem Goldmachen versuchte, ist unklar. Zwar erinnert sich der Nazi-Funktionär Adolf Eichmann später in seinem Buch „Götzen“, SS-Chef Heinrich Himmler habe sich in einem Laboratorium einen Goldmacher gehalten, der „merkwürdigerweise Tausend“ hieß. Historiker allerdings halten das für eine Verwechslung.

Der Irrtum aber zeigt, welche Wirkung der Name Tausend noch lange ausübte. Dabei hätte ihn eine einfache Frage entlarven können, wie sie die „Deutsche Allgemeine Zeitung“ schon nach dem Experiment von München aufgeworfen hatte: „Wer mit einfachen Methoden in einem fremden Laboratorium in einigen Stunden Gold machen kann, braucht der noch Finanzleute?“