Capital-History

Die großen BetrügerDieser Mann behauptete, Gold chemisch herstellen zu können

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General Erich Ludendorff spannte Tausend für seine Zwecke ein
General Erich Ludendorff auf einer Aufnahme aus den 30er-Jahren. Er spannte Tausend für seine Zwecke ein (Foto: dpa)

Zumindest für Ludendorff spielte das allerdings kaum eine Rolle: Er verwandelte das Unternehmen auch so in einen Goldesel für seine nationalen Zwecke. Der Sozialdemokratische Pressedienst beschrieb sein Geschäftsmodell später so: „Er schloss mit Tausend einen Privatvertrag, durch welchen der Goldmacher seine Erfindung mit allen Rechten an den General abtrat.“ Tausend sollte fünf Prozent des Reinerlöses erhalten. In einem späteren Gesellschaftsvertrag sollten die Geldgeber mit 15 Prozent, Tausend mit fünf Prozent am Reinerlös beteiligt werden, während der Löwenanteil von 80 Prozent Ludendorff „für vaterländische Zwecke und zum Besten des deutschen Volkes“ überlassen bleiben sollte.

Da das Unternehmen keine echten Gewinne erzielte, wurden die Gelder der Investoren mehrheitlich gleich weiter an Ludendorff geleitet. Seine politischen Gegner vermuteten, dass damit unter anderem das Nazi-Blatt „Völkischer Kurier“ finanziert wurde. Tausend selbst bezog ein üppiges Monatsgehalt, von dem er sich 1927 ein schmuckes Schloss im sächsischen Tharandt kaufte.

Hat Ludendorff wirklich geglaubt, Tausend könne Gold herstellen? Keiner weiß es. Allerdings stieg er schon 1926 aus dem Unternehmen aus, angeblich aus gesundheitlichen Gründen. Damit wurde es auch Tausend zu heiß. Der Goldmacher setzte sich aus Furcht vor den nervös gewordenen Anlegern nach Wien ab.

Dort verlor er keine Zeit und baute ein weiteres Schneeballsystem auf – diesmal diente die Firma angeblich der Produktion von Schmuck. In Deutschland aber war mittlerweile gegen ihn Anklage erhoben worden. Im Juni 1929 wurde Tausend ausgeliefert. Er kam in Untersuchungshaft, dorthin, wo auch Hitler kurz gesessen hatte: Stadelheim.

Es spricht für die Spielernatur Tausends, dass er auch jetzt nicht aufgab. Egal wie drückend die Beweise waren. Er überzeugte das Gericht, ihm das Experiment im Münzamt zu erlauben. Doch sein vermeintlicher Triumph währte kurz. Was die Öffentlichkeit faszinierte, ließ die Richter kalt: Es gehe um den Vorwurf des Betrugs, nicht darum, ob Tausend wirklich Gold produzieren könne.

Später stellte das Gericht zudem fest, dass Tausend getrickst habe: Das Gold stamme aus der Feder seines Füllfederhalters, den er während der Vorführung in München genutzt habe.