ManagementSchluss mit dem Business‑Theater!

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Der Chef verfügt über den Parkplatz direkt am Haupteingang, größere Reisebudgets und kann Berichte bei seinen Mitarbeitern anfordern etc. Und seine Leute stellen sich selbst und ihre Leistung in aufwendigen Präsentationen und Reports dar. Schön sortiert nach Gewerken, damit auch niemand durcheinander kommt.

Wer da nicht mitspielt – beispielsweise einfach mal nicht zum Meeting erscheint und sich stattdessen um den Kunden kümmert – muss mit Konsequenzen rechnen, weil sein Verhalten als Widerstand gewertet wird, das den Strukturerhalt gefährdet. Soziales Theater wird vom System also geradezu provoziert. Schade nur, dass es nicht zur Steigerung des Unternehmensergebnisses führt.

Schluss mit dem Jahresauftakt?

Wenn meine Einschätzung stimmt und weder Führungskräfte noch Mitarbeiter Lust auf das Theater haben, warum machen Unternehmen dann nicht einfach Schluss mit den ganzen nicht wertschöpfenden Ritualen. Warum gibt es jedes Jahr zum Beispiel wieder Jahresauftaktveranstaltungen?

Nun ja, weil es ganz so einfach leider nicht ist. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden plötzlich beschließen, dass es keinen Jahresauftakt mehr gäbe. Und all das andere Management-Theater streichen Sie gleich mit. Das reißt den Mitarbeitern und Chefs den Boden unter den Füßen weg. Nicht, weil ihnen plötzlich wichtige Informationen und Fakten fehlen – die werden bei solchen Veranstaltungen eh nicht ausgetauscht. Sondern weil sie nicht mehr wissen, wo in der Hierarchie sie sich überhaupt befinden und wie sie sich verhalten sollen.

Den Kontext verschieben

Was also tun? Mit diesen verschwenderischen Praktiken wird zu wenig gearbeitet, ohne sie scheint es aber auch nicht zu gehen. Da sage ich: einen anderen Kontext schaffen.

Sie könnten nächstes Jahr Ihre Jahresauftaktveranstaltungen beispielsweise einmal mit lebendiger Kommunikation ausstatten, mit Gesprächs- und Konferenzformaten, die echte Kommunikation ermöglichen. Anstatt in großer Runde zu sitzen und Vorträgen zu lauschen, bedienen Sie sich eines Open-Space-Formats oder veranstalten ein so genanntes World-Café. Die Themen kommen nicht exklusiv von der Unternehmensführung, sondern von allen Teilnehmern. Und jeder geht zu den Themen, die er oder sie relevant hält. Das wäre sinnvolle Arbeit und alles andere als verschwendete Arbeitszeit. Natürlich kann am Anfang ein Impuls stehen, worüber gesprochen werden könnte, aber die tatsächlichen Themen bestimmen die Mitarbeiter selbst.

Und dann beobachten Sie einfach einmal, was passiert, wenn die Leute problem- und zielgerichtet miteinander kommunizieren können. Mein Tipp: Sie hören auf, Theater zu spielen, und tun das, wofür Sie sie eingestellt haben: Sie arbeiten!