Corona-KriseRisikopatient Thyssenkrupp

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Lob für die Chefin

Bis hoch in den Vorstand gelangen solche ganz praktischen Fragen in diesen Tagen. Wer trotz Verbot im Ausnahmefall eine Dienstreise antreten will, braucht mindestens die Genehmigung eines Bereichsvorstands. Und manchmal muss sich sogar Martina Merz selbst mit dem fürchterlichen Kleinklein der Corona-Krise befassen. Bei Thyssenkrupp nennen sie es den „Task-Force-Modus“ – und keiner kann sich ihm entziehen, auch die Chefin nicht. Martina Merz, ohnehin eine schwäbische Pragmatikerin der aller trockensten Art, kommt damit bisher nicht schlecht zurecht. „Wir müssen uns auf das Machbare konzentrieren“, lautet einer ihrer Lieblingssätze, die man nun noch öfter hört als früher schon.

Aus den oberen Rängen vernimmt man einiges Lob für die Chefin – und auch aus den unteren. Selbst die Betriebsräte und Vertrauensleute der IG Metall, die in der Industrie als ganz besonders aufmüpfig gelten, ziehen momentan klaglos mit. Der Klassenkampf findet erst einmal nicht mehr statt. Am 19. März sagte Tekkin Nasikkol, der Chef des Stahl-Betriebsrats, die bereits geplanten Versammlungen in Hamborn und Beeckerswerth mit einem „herzlichen Glückauf!“ ab.

Im Dezember protestierten Thyssenkrupp-Mitarbeiter noch gegen Stellenabbau. Jetzt ist vorerst Ruhe
Im Dezember protestierten Thyssenkrupp-Mitarbeiter noch gegen Stellenabbau. Jetzt ist vorerst Ruhe (Foto: Imago)

Eigentlich wollten die IG-Metaller dort neue Kampfmaßnahmen gegen den geplanten Personalabbau ausrufen. Doch wegen Coronavirus gibt es erst einmal keine Protestaktionen mehr. Selbst die radikalen Maoisten und Kommunisten, die über einigen Einfluss im Betriebsrat verfügen, stimmten nicht mehr gegen die Verschiebung der Veranstaltung in der Mercator-Halle.

Und am 25. März einigten sich die Arbeitnehmervertreter mit dem Vorstand sogar ohne langes Federlesen auf den Abbau von mindestens 3000 Jobs. Ob es mehr werden müssen, will man Monat für Monat gemeinsam prüfen. Man könnte es einen neuen Realismus nennen, den es früher nicht gab bei Thyssenkrupp.

 


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