GastkommentarRenten-Debatte - zurück in die Vergangenheit

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Und so das verfügbaren Durchschnittsentgelts: als „Durchschnittsentgelt ohne Berücksichtigung der darauf entfallenden Steuern, gemindert um den durchschnittlichen Arbeitnehmersozialbeitrag einschließlich des durchschnittlichen Aufwands zur zusätzlichen Altersvorsorge“.

Entscheidend ist der Passus „gemindert um den durchschnittlichen Arbeitnehmersozialbeitrag“. Denn beim Durchschnittsentgelt wird seit einem Jahrzehnt statt des tatsächlichen Arbeitnehmeranteils zur Sozialversicherung von über 20 Prozent die deutlich niedrigere volkswirtschaftliche Sozialabgabenquote von nur rund 17 Prozent angesetzt. Viele zahlen schließlich überhaupt nichts in die Rentenkasse – etwa Beamte.

Berechnung des Sicherungsniveaus manipulierbar

Nehmen wir ein praktisches Beispiel für das Jahr 2014: Das monatliche Brutto-Durchschnittsentgelt betrug 2876 Euro. Zieht man den Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung von 589 Euro ab, ergibt sich tatsächlich ein verfügbares Durchschnittsentgelt von 2287 Euro. Da aber die volkswirtschaftliche Sozialabgabenquote von 17,3 Prozent abgezogen wird – das entspricht nur 497 Euro – erhöht sich das fiktive verfügbare Durchschnittsentgelt auf 2379 Euro.

Ein Unterschied mit Folgen: Die aktuelle Lage wird so tendenziell schlechter, die künftige hingegen besser dargestellt. Weil mit fiktiven statt tatsächlichen Abgaben gerechnet wird, fällt das verfügbare Durchschnittseinkommen auf dem Papier höher aus, als es ist. Würde das Sicherungsniveau richtig berechnet, hätte es bereits in 2014 bei 50,1 Prozent statt 48,1 Prozent gelegen, also um zwei Prozentpunkte höher als bisher. Und es würde für 2015 auf 49,1 statt 47,6 Prozent steigen – das wären eineinhalb Prozentpunkte mehr als in der aktuellen Berechnung.

Die Berechnung des Sicherungsniveaus, um das es in der Öffentlichkeit stets geht, verführt aufgrund der Komplexität zur Manipulation. Ehrlicher wäre es, zur Berechnung des Bruttorentenniveaus zurückzukehren, wie es bis 2004 üblich war und wie es in den Alterssicherungsberichten der Bundesregierung 2005, 2008 und 2012 auch nach wie vor herangezogen wird. Dieses Bruttorentenniveau läge laut dem letzten Alterssicherungsbericht im Jahr 2030 bei 40,6 Prozent. Bei der nächsten dürfte es bei 41 Prozent liegen, also unter der Marke von 43 Prozent, die nicht unterschritten werden sollte.

Kein Wort zu den Beamtenpensionen

Ein Blick auf das aussagekräftigere Bruttorentenniveau eines Standardrentners mit 45 Pflichtbeitragsjahren anstelle fiktiver Berechnungen erlaubt auch einen guten Vergleich mit dem Bruttopensionsniveau eines Beamten nach mindestens 40 Dienstjahren. Im Jahr 2000, also noch vor den grundlegenden Reformen im Jahr 2001, konnte ein Beamter nach 40 Dienstjahren ein Ruhegehalt von 75 Prozent des zuletzt erzielten Bruttogehalts erhalten.

Dieses Pensionsniveau lag 26,6 Prozentpunkte über dem Bruttorentenniveau von 48,4 Prozent eines Standardrentners. Im Jahr 2016 steht dem Bruttorentenniveau von 45,4 Prozent ein Bruttopensionsniveau von noch 71,75 Prozent gegenüber. Der Abstand ist somit fast gleich geblieben.

Wenn nun das Bruttorentenniveau im Jahr 2030 tatsächlich auf 41 Prozent sinkt, müsste diese Senkung wirkungsgleich auf die Beamtenversorgung übertragen werden. Bei einem gleichbleibenden Abstand von 26,6 Prozentpunkten wie im Jahr 2030 müsste dann das Bruttopensionsniveau von aktuell 71,75 Prozent auf dann 67,6 Prozent sinken.

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