PorträtRené Benko - der Wunderwuzzi

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Ende Oktober unterbreitet Benko HBC ein Kaufangebot: 3 Mrd. Euro. In der Offerte heißt es, durch die „erfolgreich durchgeführte Kapitalerhöhung“ bei Signa Prime sowie Cash-Reserven sei der Konzern in der Lage, 1 Mrd. Euro des Kaufpreises zu übernehmen. Den Rest will Benko über Kredite finanzieren – darunter ein 1,3-Mrd.-Euro-Darlehen der LBBW, das er kurzerhand vom bisherigen Kaufhof-Eigner HBC übernehmen will.

Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass ein großer Teil des frischen Kapitals gar nicht sofort verfügbar ist. Denn im Kern erfolgt die Kapitalerhöhung nicht in Barmitteln, sondern indem Signa Prime vier Firmen aus der Gruppe übernimmt und dafür neue Aktien ausgibt. Cash fließt mithilfe dieser Konstruktion erst einmal kaum. Benkos Familienstiftung, die über ihre Mehrheit an der Signa Holding auch den größten Anteil der Kapitalerhöhung bei Signa Prime zu stemmen hat, muss so gerade einmal knapp 20 Mio. Euro an Cash einbringen.

Seinem Angebot fügt Benko einen Einseiter der Prüffirma KPMG bei. Die attestiert, dass Signa Prime nach der Kapitalerhöhung bis zu 670 Mio. Euro Kapitalzusagen ihrer Aktionäre „jederzeit“ abrufen könne. Doch der Kaufhof-Mutter HBC ist diese Konstruktion zu wackelig. Es sei unklar gewesen, wie schnell sich die Sachwerte aus der Kapitalerhöhung versilbern lassen, sagt einer, der am Verkaufsprozess beteiligt war. Zudem sei der gebotene Preis zu niedrig gewesen. Allein die 41 Kaufhof-Immobilien, die Signa kaufen will, sind mehr als 2,6 Mrd. Euro wert.

Bereits kurz nach dem Bekanntwerden weisen die Kanadier das Übernahmeangebot zurück. Im Februar jettet Benko noch persönlich über den Atlantik, um die HBC-Spitze von seiner Offerte zu überzeugen. Doch am Nein des Kaufhof-Eigentümers ändert der Blitzbesuch nichts mehr. Zum dritten Mal ist Benko an „K2“ gescheitert.

Der Traum

Wird es ein viertes Mal geben? Wer miterlebt, wie Benko über das „K2“-Projekt spricht, der spürt, dass die Kaufhof-Fusion für ihn nicht irgendein Deal ist, kein weiterer „Dom“, den er in irgendeine Metropole stellt. Er scheint überzeugt zu sein, dass er etwas Größeres schaffen muss, wenn er in Deutschland die Anerkennung finden will, die er sucht – etwas, das sich nicht in Metern und Stockwerken messen lässt wie seine Türme.

„Benko will beweisen, dass er ein guter Unternehmer ist und mehr kann als Immobilien“, sagt der ehemalige Postbank-Vorstand und Benko-Vertraute Christ. Mit der Warenhausfusion wolle er zeigen, dass er auch in einer klassischen Branche wie dem Handel glänzen könne – um in Deutschland endlich als gewöhnlicher, wenn auch ungewöhnlich erfolgreicher Unternehmer gesehen zu werden.

Es dürfte der Aufstieg sein, von dem René Benko träumt, wenn der Lift ihn in die 32. Etage des „Upper West“ schweben lässt.


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