PorträtRené Benko - der Wunderwuzzi

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Nun also der zweite Anlauf. Seit Februar laufen die Gespräche, bis Mitte Mai wollte Benko rechtssichere Finanzierungsnachweise liefern, die die börsennotierte Kaufhof-Mutter Metro für den 2,8-Mrd.-Euro-Deal benötigt. Doch angekommen sind nur unverbindliche Krediterklärungen einzelner Banken. Nun hat Benko persönlich um das Treffen am Düsseldorfer Flughafen gebeten. Koch erwartet, dass er die nötigen Dokumente mitbringt, um den Deal eintüten zu können. Doch der Signa-Gründer hat wieder keine harten Kapitalzusagen dabei, stattdessen schwadroniert er über die Vorzüge der Fusion.

Koch, ein nüchterner Zahlenmensch, ist enttäuscht. Aber er lässt den Verkaufsprozess weiterlaufen. Dem Treffen im Maritim folgen Mails und Telefonate, in denen die Metro-Seite auf belastbare Finanzzusagen dringt – und die Signa-Seite welche verspricht, aber keine liefert. Bis sich am 13. Juni plötzlich die Lage ändert: Die kanadische Handelskette Hudson’s Bay Company (HBC), die schon Anfang des Jahres Interesse an einer Kaufhof-Übernahme signalisiert hatte, meldet sich mit einem voll finanzierten Angebot. Bedingung: ein sofortiger Abschluss.

Offenbar erfährt Benko von der Offerte der Kanadier – und lässt eilig ein neues Angebot übermitteln. Zur Finanzierung heißt es in dem Schreiben, das Capital vorliegt, die Banken hätten die Kredite nun „final zugesagt“, eine schriftliche Bestätigung „ist uns kurzfristig avisiert worden“. Doch Koch hat das Vertrauen verloren, er will den Deal abschließen. Schon für den 14. Juni, einen Sonntag, beruft er den Metro-Aufsichtsrat ein. Der Zuschlag geht einstimmig an HBC.

„Benko hat in den ganzen vier Jahren zu keinem Zeitpunkt ein belastbares, verbindliches Angebot vorgelegt“, heißt es bei Metro. Der misslungene Übernahmeversuch zeigt: Der milliardenteure Kauf eines Unternehmens ist eine andere Nummer als ein Immobiliendeal.

Im Signa-Lager bestreitet man nicht, dass die Finanzierung zum Zeitpunkt der Entscheidung wackelig war. Mitgespielt habe jedoch auch Missgunst gegenüber dem Aufsteiger aus Österreich – und die Befürchtung des Metro-Chefs Koch, er könne am Pranger stehen, wenn nach einem „K2“-Deal Filialen geschlossen worden wären. Daher habe Koch die entscheidende Aufsichtsratssitzung „krisenhaft“ für Sonntag anberaumt, um den Zuschlag an den Mitbieter zu forcieren – in dem Wissen, dass Benko die Finanzierung wenige Tage später erhärtet hätte.

Auch nach diesem gescheiterten Versuch bleibt das „K2“-Projekt für Benko ein Thema – allerdings auch die Finanzfragen. Dank steigender Immobilienpreise wächst zwar das Signa-Vermögen – aber nur in den Büchern, solange nicht verkauft wird. Und aus den Dividenden der Konzerntöchter, die mit sechs bis acht Prozent nicht exorbitant ausfallen, lassen sich keine Megadeals finanzieren.

Als Benko im Herbst 2017 eine weitere Kapitalerhöhung bei Signa Prime durchziehen will, greift er wieder zu einem Kniff. Damals meldet die Signa-Gruppe, ihre Immobilienholding habe ihr Kapital um 1 Mrd. Euro erhöht – auf 4 Mrd. Euro. Mit diesem vermeintlichen Beleg der eigenen Finanzkraft wuchert Benko, als er im Herbst 2017 einen dritten „K2“-Anlauf startet. Die Gelegenheit scheint günstig: Die Kaufhof-Zahlen sind schlecht, das Image des Neu-eigentümers HBC in der Belegschaft miserabel.