PorträtRené Benko - der Wunderwuzzi

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Nach langen Verhandlungen ist der Kaufhaus-Deal unter Dach und Fach: Kaufhof und Karstadt schließen sich zusammen
Nach langen Verhandlungen ist der Kaufhaus-Deal unter Dach und Fach: Kaufhof und Karstadt schließen sich zusammen (Foto: dpa)

Ein Beispiel für solche internen Deals ist eine Konzerntochter namens Signa Real Estate Management, auch Signa REM genannt. Der Dienstleister unterstützt die Signa-Firmen bei der Entwicklung, dem Kauf, Verkauf oder der Vermietung von Immobilien und stellt ihnen dafür Gebühren in Rechnung. Wie aus Firmenregisterauszügen und internen Unterlagen hervorgeht, fielen bei der REM hohe Erlöse an: 20 Mio. Euro im Jahr 2014, für 2017 waren sogar mehr als 50 Mio. Euro geplant. Da die Kosten der Signa REM deutlich darunter lagen, schrieb die Firma Millionenüberschüsse. Im Ergebnis wurde durch dieses Modell Geld von einem Teil des Konzerns in den anderen umgeleitet, in Richtung der Signa Holding, der die REM bis Ende 2015 gehörte.

Auf Anfrage erklärt man dazu bei Signa, die REM diene als zentraler Dienstleister für alle Unternehmen innerhalb der Gruppe. Sämtliche Gebühren entsprächen dem „marktüblichen“ Niveau.

Im Sommer 2015 warb Benko dann bei den Aktionären von Signa Prime dafür, den hochrentablen Dienstleister zu kaufen, um den Unternehmenswert zu steigern. Damals stand bei Signa Prime eine Kapitalerhöhung an. In deren Zuge erfolgte die Übernahme: Die Signa Holding brachte dabei ihre Tochter REM als Sachkapital ein – eine liquiditätsschonende Variante für die Holding und Haupteigentümer Benko.

Auch in der Handelssparte flossen offenbar ohne Kenntnis sämtlicher Gesellschafter in mindestens zwei Fällen hohe Gebühren an eine andere Beratungsfirma der Signa Holding. Konkret ging es dabei nach Capital-Recherchen um den Verkauf eines Anteils von 50,1 Prozent an der Gesellschaft, die das Handelsgeschäft der Luxuskaufhäuser um das KaDeWe betreibt, an die italienische Warenhauskette La Rinascente im Jahr 2015.

Wie eine Sonderprüfung der Bücher ergab, kassierte die interne Dienstleistungsfirma dabei aus dem Verkaufserlös eine Gebühr von rund 12 Mio. Euro für die Begleitung der Transaktion. In einem zweiten Fall wurde eine Zahlung von knapp 10 Mio. Euro fällig – diesmal bei -einem Deal mit Benko-Partner Beny Steinmetz.

Solche Zahlungen seien zu keinem Zeitpunkt abgestimmt gewesen, heißt es im Gesellschafterkreis. Über die internen Gebühren seien offenbar Millionenbeträge in Signas Dachgesellschaft geleitet worden – auf Kosten der Eigentümer der -Retailtochter. Auf Capital-Anfrage wollte sich Signa nicht zu den beiden Fällen äußern. Als „rein privat geführte Industriegruppe“ könne man „keine näheren Auskünfte und Details“ zum Unternehmen geben.

Das Projekt „K2“

Das Maritim-Hotel am Düsseldorfer Flughafen, Ende Mai 2015. Benko ist hier mit Olaf Koch verabredet, dem Chef des Kaufhof-Eigentümers Metro. Schon seit Jahren träumt der Signa-Lenker davon, den größeren Konkurrenten zu kaufen und als Architekt der großen Warenhausfusion Geschichte zu schreiben.

„K2“ heißt das Projekt bei Signa. Ein erster Versuch scheiterte 2011. Benko wollte die Übernahme damals über ein Darlehen des Verkäufers Metro teilfinanzieren. Der Deal war Koch nicht geheuer, er brach den Prozess ab.