PorträtRené Benko - der Wunderwuzzi

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Doch bei näherem Hinsehen sieht die Karstadt-Story weniger glanzvoll aus. Auch Benko und seine Manager können die Strukturprobleme und Rückgänge im Warenhausgeschäft nicht fortzaubern, wie ein Blick auf die Umsätze zeigt. Im Jahr der Insolvenz 2009 setzte Karstadt noch 3,5 Mrd. Euro um. 2017 waren es nur noch 2,2 Mrd. Euro. Bei der entscheidenden Kennziffer im Handel, dem Umsatz pro Quadratmeter, hat Karstadt zwar in letzter Zeit geringfügig zugelegt. Aber die Flächenproduktivität ist immer noch weit weg von dem, was Handelsketten wie C&A, H&M oder Zara erzielen.

Der Turn-around bei Karstadt sei das Ergebnis des harten Sparkurses, aber auch intensiver Arbeit am Marktauftritt, sagt der Handelsexperte und Signa-Berater Thomas Roeb. Dennoch: „Angesichts der Grundprobleme der Warenhäuser ist es verfrüht, von einer grundsätzlichen Rettung zu sprechen.“ Karstadt muss noch Jahre kämpfen.

Umso wichtiger wird es, das stationäre Warenhausgeschäft mit den Onlineplattformen zu verzahnen, die Signa im Zuge der kostspieligen Digitaloffensive übernommen hat. Doch Handelsexperten bezweifeln, dass Karstadt im Netz die Umsatzverluste in den Filialen tatsächlich wettmachen kann. Wenn der kürzlich gekaufte Onlinehändler Dress-for-less als Karstadt-Outlet funktioniere, könne es Synergien geben, sagt ein führender Handelsmanager – aber nur dann. Fraglich sei ebenso, ob Karstadts Marketplace – eine Onlineplattform, an die andere Händler andocken können – den erwünschten Traffic und Umsatz bringe, denn Amazon biete das Konzept schon lange an. Auch im Experience Store in der Düsseldorfer Filiale, den Karstadt als „Leistungsschau seiner digitalen Möglichkeiten“ anpreist, gebe es „viel Technik von gestern“, sagt ein Karstadt-Aufsichtsrat.

Wie es um Karstadts Perspektiven wirklich steht, ist von außen schwer zu durchschauen. Klar ist dagegen: Den weitaus größten Teil der Warenhaus-immobilien hat Signa unbemerkt von der Öffentlichkeit wieder zu Cash gemacht. Der Konzern besitzt nur noch die drei Premiumhäuser sowie drei normale Karstadt-Filialen in München und Berlin. Auch in der neuen Filiale in Berlin-Tegel, die als Symbol für die neue Stärke dienen soll, ist Karstadt nur Mieter.

Die Finanzen

Wenn Benko über seinen Konzern spricht, vergleicht er ihn gern mit der Familienholding der deutschen Pudding- und Pizzadynastie Oetker. Die Oetkers publizieren allerdings wichtige Unternehmenszahlen, während Benko über die Signa-Gruppe mit ihren mehreren Hundert Einzelfirmen nur so viel verrät, wie er unbedingt muss. Die jüngste Bilanz der Holding etwa, die sich im Firmenbuch findet, datiert von 2014 und umfasst fünf dünne Seiten.

Bei der Immobilientochter Signa Prime und der Entwicklungstochter Signa Development, die als AGs geführt werden, muss Benko etwas mehr Transparenz zulassen. Wie es in der verzweigten Konzernfamilie wirklich aussieht, wissen aber nur er und sein engster Zirkel – auch Benkos Investoren kennen nicht alle Geldflüsse zwischen den Firmen.